Alibaba – Digitalisierung made in China
Alibaba - Digitalisierung made in China (Bild: geralt/pixabay.com)

Alibaba – Digitalisierung made in China

Beim Thema Digitalisierung schaut die Welt meist ehrfürchtig in Richtung Silicon Valley. In Deutschland schauen wir auch mal bewundernd nach Berlin. Nur nach China schaut eigentlich keiner. Sollten wir aber.

In den letzten Jahren hat Alibaba sich dort zum Weltkonzern in Sachen Handel entwickelt. Ein direkter Vergleich mit einem der großen westlichen Player ist schwierig. Am besten passt noch der Vergleich von Alibaba mit Amazon, aber auch der hinkt.

Die geringe Umsatzzahl täuscht

Während Amazon vor allem ein Händler ist, Waren also in eigenen Lagern vorhält, ist Alibaba im Bereich Handel eine echte Plattform, die „nur“ andere Händler mit den Konsumenten verbindet. Die Macht und Gewalt dieses Geschäftsmodells sehen wir bei Airbnb (der weltweit größte Übernachtungsanbieter, aber ohne eigene Zimmer) oder Uber (der Mobilitätsanbieter ohne eigene Autos).

Durch diesen Unterschied im Geschäftsmodell wirkt Alibaba auf der Bilanzseite gar nicht so gigantisch: Im Jahr 2016 war der Umsatz „nur“ knapp 16 Milliarden US-Dollar. Klar, wenn man den Umsatz zwischen Händlern und Konsumenten nur vermittelt, bleibt der Umsatz relativ klein. Ein Blick auf eine andere Zahl jedoch offenbart die wirkliche Größe: Der Wert der Warenverkäufe war im Jahr 2015 größer als der von Amazon und Ebay zusammen.

“All in 1: Ein Universum voller Handelsplattformen und Unterstützungsdienste #Alibaba“

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Ein Konglomerat von Marken

Schaut man genauer hin, erkennt man hinter dem Konzernnamen zahlreiche weitere Marken. Fangen wir mit dem Kernbereich Handel an: alibaba.com ist eine Business-to-Business-Handelsplattform. Hier gibt es für Wiederverkäufer alles in 1.000er Stückzahlen, aber auch Mähdrescher und Klimaanlagen.

AliExpress gleicht als Business-to-Customer-Handelsplattform vom Angebot dem uns bekannten Amazon. Daneben gibt es ein Ebay-Derivat (taobao.com).

Warum ein chinesisches Online-Kaufhaus deutsche Unternehmen anlockt

Mit tmall.com als Online-Kaufhaus verlässt Alibaba gerade das Konzept der reinen Handelsplattform und probiert etwas Neues aus. Über diese Plattform ergreifen auch deutsche Unternehmen wie Zalando und ab April auch ALDI die Chance, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen.

Nachdem sich selbst Google wieder aus China zurückgezogen hat, bietet Alibaba ausländischen Handelsunternehmen die Möglichkeit, nach den Regeln von tmall.com an den Handels-Wachstumsraten in China zu partizipieren.

Am besten probiert man selbst mal aus, was sich über diese Plattformen alles finden und kaufen lässt. Eine Smart-Watch für 10 Euro inkl. Versandkosten aus China ist gar kein Problem, aber ein wenig Neugier braucht man. Eine Überwachung durch die NSA gibt es jedenfalls nicht Und ein behördlicher Datenaustausch zwischen den USA und China ist auch nicht zu befürchten.

Alles in einem: Bezahlung, Transport und Rabatte

Rund um das Kernthema Handel hat Alibaba-Gründer Jack Ma ein ganzes Universum schnell wachsender Unterstützungsdienste aufgebaut: juhuasuan.com als Rabatt-Angebotsseite ähnlich wie Groupon, Alipay als Online-Zahlungsanbieter wie Paypal und für Logistik ist cainiao.com zuständig, ein Wettbewerber von DHL.

“Zugang nach chinesischen Spielregeln: Alibaba als Tor zu den Märkten in China“

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Auch im Medienumfeld ist der Konzern aktiv: Tudou ist das Youtube für China, Miami Music das Spotify und Weibo ist Alibabas Antwort auf Twitter.

Infrastructure as a Service: Die Alibaba Cloud als Zugang nach China

Einen weiteren Bereich möchte ich noch erwähnen, auch wenn die Aufzählung unvollständig bleibt. Alibaba Cloud ist ein IaaS-Angebot (Infrastructure as a Service), ganz ähnlich zu AWS (Amazon Web Services). Das Leistungsversprechen der Alibaba Cloud ist, dass Unternehmen damit weltweite Cloud-Lösungen aufbauen können, die dann auch in China funktionieren. Also ein ähnliches Konzept wie bei tmall.com: Nutzt unsere Dienste und unsere digitale Infrastruktur, dann lassen wir Euch mit Euren Waren und Diensten auch in unser Land hinein. Aktuell hilft Vodafone als Vertriebspartner, die Alibaba Cloud in Europa zu etablieren.

Die eigenen Stärken ausspielen

Es gibt viele Möglichkeiten, die digitale Welt zu erobern. Das Wesentliche, das wir vom Silicon Valley und von Alibaba lernen können, ist, uns auf unsere eigenen Stärken zu besinnen, anstatt andere Konzepte zu kopieren. Wir haben hier in Europa unser Wertesystem und einen starken Mittelstand. Auf diese Stärken sollten wir bauen, wenn wir die digitale Welt erobern wollen.

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