So bewahren wir unsere Autonomie
So bewahren wir unsere Autonomie (Bild: pixabay.com / Ronile)

So bewahren wir unsere Autonomie

Wann und wie handeln wir autonom? Was können wir gegen den Zwang zur Anpassung tun? Michael Pauen und Harald Welzer geben uns in ihrem Buch „Autonomie: Eine Verteidigung“ nicht nur tiefgreifende Hintergründe zum Autonomiebegriff, sie verdeutlichen uns vor allem, warum Autonomie für uns erstrebenswert ist.

Die beiden Autoren liefern uns eine systematische Einordnung des Begriffes Autonomie aus verschiedenen Blickwinkeln, wie der Psychologie, der Sozialphilosophie, der Ökonomie und weiteren wissenschaftlichen Modellen. Zudem betrachten sie die Entwicklung des Autonomie-Begriffs im historischen Zusammenhang. Das ist spannend zu lesen und hilft bei der Einordnung einer Reihe vorhandener Informationen in den neuen Kontext Autonomie.

Wechselbeziehungen zwischen Konformismus und Autonomie

Völlig neue Einblicke erhält man als Leser durch die Erläuterung der Wechselbeziehungen zwischen sozialen Phänomenen – vor allem dem Konformismus – und der Autonomie. An diesen Ausführungen wird klar, warum die massiven technischen und digitalen Veränderungen mit ihren Auswirkungen auf unser Sozialgefüge in den letzten 300 Jahren ebenso wie die Ideen der Aufklärung einen so großen Einfluss auf unsere Autonomie und unser Autonomie-Verständnis haben.

Der Grat zwischen offener und positiver Kommunikation auf der einen und dem Konformismus auf der anderen Seite ist sehr schmal. Und wir sind, gefördert durch die heutige Konstruktion der sozialen Medien, regelmäßig auf der Seite, die unsere eigene Autonomie einschränkt.

Anhand von Beispielsituationen aus eigenen Experimenten und Forschungen zeigen die Autoren auf, wie wir der „Anpassungsfalle“ entgehen können.

“Ein Grundsatzwerk zur Autonomie mit Aufruf zum aktiven Handeln “

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Warum Transparenz unsere Autonomie gefährdet

Für mich besonders spannend sind die Thesen zur Privatheit: Privat ist nicht nur das, was früher und ohne Technik noch hinter verborgenen Türen stattfand. Ein Teil von Privatheit ist auch, unsere Möglichkeit zwischen verschiedenen Rollen, die wir im Leben einnehmen, in inkonsistenter Form wechseln zu können. Die Forderung nach Transparenz beschneidet also nicht nur unsere Privatheit, sondern auch unsere Autonomie.

Anregende Denkanstöße trotz digitalfeindlicher Schlüsse

Das Fazit von Pauen und Welzer, dass wir alle täglich für unsere Autonomie kämpfen, oder uns zumindest darum bemühen müssen, kann ich nachvollziehen. Ihre digitalfeindlichen Schlussfolgerungen schaffen eigene „-ismen“, die sicherlich darin begründet sind, dass die Autoren hier nicht so tief eingedrungen sind, wie in ihre Kern-Wissensgebiete.

Trotz dieser kleinen Unzulänglichkeit ist das Buch eine absolute Bereicherung für unser aktuelles Denk-Universum und als solche klar lesenswert.

Weitere Lese-Empfehlungen zu den Themenbereichen Digitale Transformation und Entrepreneurship gibt es hier auf meinem Blog oder direkt bei Amazon.

 

Michael Pauen, Harald Welzer
Autonomie: Eine Verteidigung
S. Fischer-Verlag, 336 Seiten, 19,99 Euro
Kindle Ausgabe 17,99 Euro

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