ChatGPT – wieviel Unverstand und Technologie-Angst ist noch akzeptabel?

16. Dezember 2022

Die Techies sind aus dem Häuschen: Dank ChatGPT kann man sich fast normal mit einer KI unterhalten, ohne es direkt zu merken. Schüler freuen sich, weil die KI einem vernünftigen Text zu nahezu beliebigen Schulthemen auswirft – egal ob für Deutsch, Englisch oder Geschichte.

Und auch die Feuilleton-Welt hat endlich wieder ein Thema: Wen wird diese KI ersetzen? Können wir jemals wieder einem Text vertrauen? Wird diese Technologie die Kommunikationswelt revolutionieren? Haben selbstverliebte Nerds die Büchse der Pandora geöffnet und die ganze Menschheit wieder ein Stückchen näher an den Abgrund geschoben?

NEIN. Es wird nichts geschehen, wenn diese Empörungswelle einmal um den Globus geschwappt ist.

Ja, dieses Sprachmodell ist sehr beeindruckend. Es bereitet große Freude, ein paar Dinge auszuprobieren. Also am besten mal selbst auf OpenAI anmelden und ein wenig spielen. Es lohnt sich.

Im Dialog mit dem Chatbot

Ich habe ChatGPT einfach mal gefragt, ob die Welt untergeht und eine plausible Antwort erhalten:

„Es ist unwahrscheinlich, dass ChatGPT oder andere große Sprachmodelle die Welt revolutionieren werden. Sie sind immer noch Maschinen, die von Menschen programmiert und trainiert werden, und sie sind nicht in der Lage, Entscheidungen auf eigene Faust zu treffen. Sie können lediglich Antworten auf Fragen liefern, die ihnen gestellt werden, basierend auf dem, was sie im Laufe ihres Trainings gelernt haben. Es ist wichtig, dass die Menschheit die Grenzen von Technologien wie diesen versteht und sie verantwortungsvoll nutzt.“

Anstatt mit Empörung und Angst könnten wir es also einfach mal mit Neugierde probieren, oder? Was meint ChatGPT, warum Menschen Angst vor ChatGPT haben könnten?

„Es ist normal, dass Menschen vor neuen Technologien ein gewisses Maß an Skepsis oder Sorge empfinden. In Bezug auf ChatGPT oder andere große Sprachmodelle könnten die Menschen sich Sorgen machen, dass diese Technologien die menschliche Arbeitskraft ersetzen oder die Privatsphäre gefährden könnten. Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass diese Technologien Werkzeuge sind und dass es an uns liegt, sie verantwortungsvoll zu nutzen.“

Also, diese Antwort gibt mir mehr als die ganzen düsteren Sorgen der vielen intelligenten Schreiber in der Feuilleton-Welt. Aber ist das jetzt nicht wirklich gefährlich? Was bedeutet das für die Menschheit?

Und wer schreibt nun besser?

Ich frage ChatGPT daher: Was bedeutet es, wenn mir ein Text von Dir besser gefällt und sinnvoller erscheint als die vielen Texte über Dich, die ich in den letzten Tagen gelesen habe?

„Wenn Ihnen mein Text besser gefällt und sinnvoller erscheint als andere Texte, die Sie über mich gelesen haben, könnte das bedeuten, dass der Text klar und verständlich geschrieben ist und auf Ihre Fragen eingeht. Es könnte auch bedeuten, dass der Text für Sie relevant und interessant ist. Bedenken Sie jedoch, dass ich ein maschinelles Lernmodell bin und keine menschliche Intelligenz besitze. Meine Antworten basieren auf dem, was ich im Laufe meines Trainings gelernt habe, und können daher nicht immer perfekt sein.“

Genau darum geht es: Wir schreiben offensichtlich zu viel. Wenn wir weniger schreiben würden, müssten wir uns auch weniger Sorgen machen, ob ein Text, den wir lesen, von einem humanoiden Redakteur oder einer Chatbot-KI geschrieben wurde.

Vielleicht schätzen wir in Zukunft einfach wieder wahrhafte Kommunikation. Vielleicht schätzen wir in Zukunft einfach Redaktionen und Menschen, bei denen wir uns sicher sein können, dass sie uns keinen ChatGPT-Auswurf vorsetzen.

Wovor haben wir eigentlich Angst?

Mich erschrecken Menschen, die ohne Sachverstand über eine neue Technologie schreiben und die ganze Welt an ihren stereotypen Angst-Szenarien teilhaben lassen – immer noch.

Was wollen wir Menschen jetzt? Geht es wirklich um eine klare Unterscheidbarkeit von maschinell erzeugten Texten? Oder will ich gerade einfach nur Trost vor dieser Welt und würde mir vielleicht sogar eine verständnisvolle Ansprache einer KI helfen?

Auch den liefert ChatGPT: 

„Es tut mir leid, dass Sie sich von der Welt bedroht fühlen. Bitte bedenken Sie, dass es auch viele schöne Dinge in der Welt gibt, und dass es an Ihnen liegt, das Beste aus jedem Tag zu machen. Es kann hilfreich sein, sich mit Menschen zu umgeben, die Ihnen nahe stehen, und sich Unterstützung zu suchen, wenn Sie sie brauchen. Es ist auch wichtig, für sich selbst zu sorgen und sich Zeit zum Entspannen und Abschalten zu nehmen. Wenn Sie sich überwältigt fühlen, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.“

So richtig hilfreich finde ich diesen Zuspruch nicht. Aber vielleicht doch, wenn ich nicht wüsste, dass es ein Algorithmus ist… Wir Menschen brauchen es vielleicht manchmal ein wenig schizo.

Quelle: Bild erstellt von https://openai.com/dall-e-2/
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