Der digitale Tod der HiFi-Anlage – ein Kulturschock für Generationen
Der digitale Tod der HiFi-Anlage – ein Kulturschock für Generationen - Foto: pixabay.com/InspiredImages

Der digitale Tod der HiFi-Anlage – ein Kulturschock für Generationen

Die eigene HiFi-Anlage war für Jugendliche der 1970er bis 2000er der Traum: Das Mittel, um endlich selbstbestimmt den eigenen Musikgeschmack auszuleben und sich im eigenen Zimmer von der Umwelt abzuschotten. Das flexible Systemkonzept von Quelle (Plattenspieler, Cassette, CD) über den Verstärker als Integrator hin zu den Boxen bot geradezu unendlichen Gestaltungs- und Individualisierungsraum. Angepasst an den finanziellen Spielraum konnte so eine HiFi-Anlage über 10 oder sogar 20 Jahre mitwachsen und sich den aktuellen Bedürfnissen (Schule, Studium, Beruf) anpassen.

Abgesehen von der Einbindung des Fernsehens als parallele Ausgabeeinheit neben den Lautsprechern und der dazu erforderlichen „Erfindung“ des AV-Receivers hat sich in dieser Branche systemisch über 40 Jahre hinweg nicht viel verändert. Im Vergleich mit den erdbebenartigen Neuerungen, die sich jetzt abzeichnen, wirken die jährlich gefeierten technischen Revolutionen und Meilensteine rückblickend geradezu winzig.

Wieso der Lautsprecher übrigbleibt

Die alten Quellen Plattenspieler, CD und DVD werden abgelöst durch Internetdienste wie Spotify, Apple Music, Google Music oder faire digitale Plattformen wie idagio. Wenn die Quellen digital werden, braucht es keine Verstärker mit Umschaltern mehr, die Bedienung erfolgt über unsere Smartphones. Schwuppdiwupp: keine physische Quelle – kein Umschalten mehr. So kann man alle Funktionen in den Lautsprecher packen und die digitale Transformation wirbelt eine ganze Branche durcheinander.

Zuerst haben Apple und Google mit Airplay und Chromecast versucht, die mobilen Endgeräte zur Drehscheibe zu machen. Die Streams werden direkt vom Smartphone auf die dummen Airplay- oder Chromecast-fähigen Geräte gebeamt. Ganz nett, aber nicht die Zukunft.

Software ist alles

Sonos hat es vorgemacht und Raumfeld (jetzt Teufel aus Deutschland) hat es auch begriffen: Der voll digitalisierte Lautsprecher, der alle Quellendienste integriert, selbständig funktioniert und mit unserem Smartphone nur bedient wird – das ist die Zukunft.

Lautsprecher-Anbieter mussten sich über Jahrzehnte hinweg nicht mit digitaler Technik herumplagen. Und plötzlich ist analoge Lautsprecher-Handwerkskunst gepaart mit modernster Software-Technologe der Schlüssel in eine neue Welt.

Man kauft zwei einzelne Lautsprecher, einen als Radioersatz für die Küche und einen für das Badezimmer und im nächsten Moment macht Software daraus ein Stereo Pärchen für das Wohnzimmer – das ist revolutionär! Software-Systeme bestimmen den Gebrauchswert ein und desselben Stücks physischer Lautsprecher.

“Wenn Software-Technologie analoge Lautsprecher in die neue Klangwelt katapultiert. Digitale #Transformation“

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Die Zukunft

Gerade hat das unbekannte Startup EVA Automation aus Redwood City das Traditions-Unternehmen B&W übernommen. Der Schwanz wedelt mit dem Hund und wird den High-End-HiFi-Markt revolutionieren und dort die neuen Gesetzte der digitalen Welt einführen. Der gesamte Markt der goldenen Stecker, Spezialkabel und Röhren-Voodoo wird kollabieren, denn alle Schnittstellenprobleme der Vergangenheit lassen sich in einem digitalen Lautsprecher optimal implementieren.

In der HiFi-Welt der Normalos kämpfen Sonos, Raumfeld (Teufel), Heos (Denon) und Bose mit ihren Multiroom-Konzepten um die Vorherrschaft. Das Mitwachsen über Jahre ist nur noch im Eco-System des Anbieters möglich. Aber wer ist so innovativ, dass es ihn in 10 Jahren noch geben wird? Das weiß keiner.

Im unteren Segment der Lautsprecher schleicht derweil mit Amazon Echo eine neue Gattung ins Haus. Eine mächtige Sprachschnittstelle, mit der man nicht nur Musik hören, sondern auch noch allerlei über Sprachbefehle steuern kann. Google hat auf seiner Entwicklerkonferenz Google Home vorgestellt, Apple schläft. Hier geht es um alles oder nichts für den Bereich Smarthome.

“Von wegen Smartphone: Sprache als Steuerung für Musik und Smarthome. Der Tod der Hifi-Anlage“

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Bisher haben alle gedacht, dass die Zukunft mit dem Smartphone gesteuert wird. Amazon und Google zeigen nun einen Weg auf, wie man Sprache (ohne ein Smartphone) zur Steuerung der Musik zu Hause und mehr nutzen kann.

Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass es keine HiFi-Anlagen mehr gibt und die Entscheidung für einen digitalen Lautsprecher keine mehr für ein halbes Leben ist.

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