Der ideale Investor – aus Sicht der Systemtheorie

Der ideale Investor - aus Sicht der Systemtheorie (Bild: mohamed_Hassan/pixabay.com)
Der ideale Investor - aus Sicht der Systemtheorie (Bild: mohamed_Hassan/pixabay.com)

In Krisenzeiten gibt es für Unternehmer eine Menge zu entscheiden. Nachdem das Tages-Geschäft inzwischen wieder ein wenig runder läuft, kann man sich nun wieder um etwas grundsätzlichere Themen kümmern. Und für so manchen Unternehmer stellt sich die Frage, ob das eigene Basis-Setup gut gewählt ist.

  • Ist es ideal, alles alleine zu verantworten?
  • Sind die richtigen Partner schon mit an Bord?
  • Verliert man eigene Entscheidungsfreiheiten, wenn ein Investor mit hinzukommt? 
  • Wie könnte ein idealer Investor überhaupt aussehen? 

Dass die Systemtheorie als komplexes Gedankengebäude einem bei solchen Gedanken eine konkrete Hilfe sein könnte, liegt nicht direkt auf der Hand. 

Aus Sicht der Systemtheorie geht es bei allen Handlungen um Kommunikation. Nicht Individuen kommunizieren, sondern Systeme. Und wir Menschen sind (mit unseren psychischen Systemen) in viele (gesellschaftliche) Systeme eingebunden, wie etwa Wirtschaft, Politik oder Familie. 

Daher ist es absolut spannend, in welche Systeme die Kapital-Seite eines Unternehmens den Unternehmer bzw. das Management einbindet bzw. kommunikativ mit hineinzieht.

Mehr Publizität – in jeder Hinsicht

Aus der Publizität gelisteter Aktienunternehmen zum Beispiel ergibt sich eine sehr oft unterschätze Logik für Entscheidungen und Handlungen bis in Details hinein: 

  • Neue Produkte müssen gesellschaftlich akzeptiert sein, 
  • es besteht ein großer Gleichklang zwischen Kunden- und Mitarbeiter-Kommunikation 
  • und zudem muss man ständig auf der Hut sein, mit bestimmten Entscheidungen nicht in der Zeitung zu stehen. 

Aber auch eine Aufsichtsperson (Aufsichtsrat) kann nicht unbedingt das raten und empfehlen, was er für sinnvoll hält, sondern muss seine Entscheidungen und Handlungen anschlussfähig zu Medien und der Öffentlichkeit gestalten. Diese Anschlussfähigkeit aus der Systemtheorie bedeutet im Alltag für das Management und die Aufsichtsorgane eine Menge ungeschriebener Gesetze und Regeln, die nur selten die Vorteile der Publizität überwiegen. Es sei denn, man liebt es, seinen Namen in der Zeitung oder in sonstigen Medien zu sehen.

Der Vorteil, sein Unternehmen über die Kapitalseite mit der Öffentlichkeit zu verbinden, sollte also gut überlegt sein.

Familienunternehmer stoßen an ihre Grenzen

Ok, dann scheint also das patriarchisch geführte Familienunternehmen mit dem Einklang von Management und Kapitalseite eine gute Lösung zu sein. In Inhaber-geführten Unternehmen ist es aus Sicht der Systemtheorie zumindest deutlich einfacher, eine echte Kohärenz zwischen der Marktseite (Kunden) und den Mitarbeitern herzustellen. Das schafft eine echte Verbundenheit und für Kunden häufig große Attraktivität durch eine hohe Service-Orientierung der Mitarbeiter.

Aber man beraubt sich mit dieser Entscheidung einer wesentlichen Kraft: Der Unterstützung von einem langfristig orientierten Investor. Diese Austauschebene vermissen viele Familien-Unternehmer. Diese Ebene kann nicht durch Berater oder die Diskussion unter den Anteilseignern nachgebildet werden. 

Berater verkaufen ihre Tage, müssen die Verantwortung nicht übernehmen und spüren auch das Ergebnis der Beratung nicht am eigenen Portemonnaie. Und interne Diskussionen unter Gesellschaftern bringen in der Regel mehr Probleme als Nutzen, weil hier die systemischen Ebenen von Management und der Kapitalseite vermischt werden. Diese systemische Vermischung kann die Beziehungsebene vergiften und ist damit kontraproduktiv.

Fonds-Investoren: gefangen zwischen Rendite und Werten

Aber was bringt es, einen zahlenfokussierten PE-Fonds auf der Kapitalseite mit an Bord zu nehmen, bei dem Mitarbeiter und Kunden zu Excel-Zellen mutieren und nur noch dazu dienen, den maximalen Profit zu erwirtschaften? Nichts.

Denn damit sich ein Vorteil aus dem Beobachten eines Investors und den Diskussionen mit einem Investor ergeben kann, muss es eine möglichst große Anschlussfähigkeit zwischen den Systemen geben. 

Zwischen einem Fonds-Management, das von anonymen Investoren Geld eingesammelt und diesen Fonds-Investoren eine maximale Rendite versprochen hat und sich selbst über ein massives Carry incentiviert, und einem Familien-Unternehmer oder einem Unternehmer mit einer Vision und einem Werte-Gebäude gibt es faktisch keine Anschlussfähigkeit. Schon bei kleineren Entscheidungen wird man den Beobachtungen und Erfahrungen des Fonds-Management, also dem Investment Management, nicht folgen können und es werden sich mehr Konflikte als Nutzen ergeben. Es sei denn, man verrät als Unternehmer seine bisherigen Werte.

Strategie ist nicht alles

Könnte der strategische Investor die Lösung sein? Es gibt sicherlich Fälle, bei denen ein Unternehmer seine unternehmerischen Freiheiten behalten kann; diese sind aber die Ausnahme. In der Regel zahlt der strategische Investor ein wenig mehr. Das muss er aber auch, denn der übernommene Unternehmer muss sich ja der Strategie des Strategen unterwerfen. Und einen systemischen Vorteil durch eine weitere Diskussions-, Beobachtungs- und Feedback-Ebene erhält der Unternehmer in der Regel auch nicht. Denn er wird in das Management des Strategen eingebunden und die Kapitalseite fällt durch die Größenunterschiede in der Regel weg.

Wie also müsste ein idealer Investor angesichts dieser Erkenntnisse aussehen?

  • Der ideale Investor sollte selbst nicht Public sein, damit man die Komplexitäts-Ebenen eines Listings nicht in die eigene Unternehmung einbringt.
  • Das zu investierende Geld sollte nicht aus einem Fonds stammen, der sich über anonyme Anleger finanziert. 
  • Ideal ist sicherlich, wenn Investoren ihr eigenes Geld investieren und ihre eigene unternehmerische Erfahrung mit einbringen. Häufig sind Branchen-Netzwerke vorhanden, die auch – anders als bei den Strategen – wirklich im Alltag eingesetzt werden können und dem eigenen Unternehmen einen echten Mehrwert bieten.

Die Anschluss-Fähigkeit aus systemischer Sicht ist bei einem solchen im Stillen arbeitenden Family-driven Investor sicherlich am höchsten.

Und hier liegt eine gewisse Krux: denn anders als Maschmeyer, Thelen und Co., die die Publizität für ihr eigenes Ego brauchen, sind solche Investoren ein wenig schwieriger zu finden.

Doch die Suche abseits der gehypten Namen lohnt sich. Und Primepulse ist dabei auf jeden Fall eine nähere Betrachtung wert.

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