Die Wachstumsfalle des Kapitalismus und wie wir ihr entgegenwirken können
Die Wachstumsfalle des Kapitalismus und wie wir ihr entgegenwirken können (geralt / pixabay.com)

Die Wachstumsfalle des Kapitalismus und wie wir ihr entgegenwirken können

Es gibt schon eine Menge Bücher, die sich mit dem Thema Kapitalismus, den Grenzen des Wachstums und den Gefahren digitaler Monopolstrukturen auseinandersetzen. Überall finden sich brauchbare oder auch herausragende Einzelgedanken, aber für mich hat sich bisher noch kein konsistentes Gesamtbild ergeben. Das hat Douglas Rushkoff mit seinem Buch “Throwing Rocks at the Google Bus: How Growth Became the Enemy of Prosperity“ bei mir geändert.

Neu: Die Unternehmung als Maschine

Das erste Kapitel vermittelt trotz der Wiederholung von vielem Bekannten schon einen neuen roten Faden: Durch vieles, was in der digitalen Welt gerade passiert, werden wir Menschen systematisch aus den wertschöpfenden Prozessen heraus genommen. Nicht nur in klassischen Produktionsprozessen, sondern auch in der Social Media Welt, bei der es nicht mehr um unsere echte Partizipation, sondern nur noch um unsere Aufmerksamkeit geht.

Wirklich umgehauen hat mich sein Modell der Unternehmung als Maschine, um Wert aus seiner Umwelt zu extrahieren. Und diese (Unternehmens-) Maschinen reagieren und agieren mit ihren Grundmustern nicht nur auf neue Technologien und unsere Gesellschaft, sondern vor allem auf das zugrundeliegende Geldsystem.

“Unser Geldsystem macht Unternehmen zu Wachstums-Maschinen“

Twittern WhatsApp

Können aus Unternehmen nur Wachstums-Maschinen werden?

In einer Zeitreise zeigt Rushkoff, wie Unternehmen im Kontext ihrer Wirtschafts- und Geld-Systeme in den letzten Jahrhunderten funktioniert haben. Seine zentrale These ist, dass Unternehmen im aktuellen Geldsystem der Zentralbanken gar nicht anders können, als sich zu hocheffizienten, menschenverachtenden, weltumspannenden und monopolstrebenden Wachstums-Maschinen zu entwickeln. Der Impuls zum unendlichen Wachstum ist seiner Meinung nach nicht im Kapitalismus an sich begründet, sondern in der Art der zentralen Geldschöpfung der Notenbanken. Denn diese bringen das Geld durch verzinstes Verleihen an Banken in Umlauf und fordern so von allen Teilnehmern im System dahinter Wachstum ein.

Aus Rushkoffs Sicht ein gute Nachricht, denn unser Geldsystem ist menschengemacht – und daher also auch von uns Menschen veränderbar.

Wege aus der Wachstumsfalle

In den letzten beiden Kapiteln stellt Rushkoff Konzepte und Projekte vor, die heute schon versuchen, aus der Wachstumsfalle zu entfliehen. Dazu gehören neue Geldkonzepte wie die Blockchain, Genossenschafts-Ansätze wir Fairmondo und Konzepte zu lokalen (verteilten) Marktplätzen.

In Summe ein tolles Buch mit wichtigen Impulsen für eine prosperierende (digitale) Welt ohne Wachstums-Druck.

Weitere Lese-Empfehlungen zu den Themenbereichen Digitale Transformation und Entrepreneurship gibt es hier auf meinem Blog oder direkt bei Amazon.

 

Douglas Rushkoff
Throwing Rocks at the Google Bus: How Growth Became the Enemy of Prosperity
Portfolio Penguin, 288 Seiten, 14,99 Euro
Kindle Ausgabe 11,99 Euro

Passende Artikel

Von wegen Vorreiter für die digitale Welt: So digital sind die USA wirklich Weiterlesen

Von wegen Vorreiter für die digitale Welt: So digital sind die USA wirklich

Die Auswirkungen der Informationstechnologie auf den Kapitalismus Weiterlesen

Die Auswirkungen der Informationstechnologie auf den Kapitalismus

Was passiert mit dem Kapitalismus in der digitalen Welt? Weiterlesen

Was passiert mit dem Kapitalismus in der digitalen Welt?

Kommentare zu "Die Wachstumsfalle des Kapitalismus und wie wir ihr entgegenwirken können"

Schreibe einen Kommentar

Newsletter
Lassen Sie sich per E-Mail über neue Beiträge von Stefan Fritz informieren.

Erhalten Sie meinen regelmäßigen Newsletter mit allen neuen Artikeln bequem per Email.