Die Zukunft von Open Source-Software in der Cloud-Welt
Die Zukunft von Open Source-Software in der Cloud-Welt (Bild: shutterstock.com / fatmawati achmad zaenuri)

Die Zukunft von Open Source-Software in der Cloud-Welt

Open Source war einst die Gegenbewegung zu den großen Softwareanbietern wie Oracle, IBM oder Microsoft, deren Geschäftsmodell es früher war, Software zu erstellen und als Lizenzen an die Kundschaft zu verkaufen. Damit ist Open Source nicht nur der Kampf von Geschlossen gegen Offen, sondern auch von zentraler Macht zu freiwillig organisierter Dezentralität, und ebenso von großen monopolgetriebenen Organisationen hin zu Software, die von freien Individuen erstellt wird. Oder kurz: von Gut gegen Böse.

Open Source = Umsonst?

Für viele Nutzer wurde aus offener Software freie Software – auch dies war ein strategisches Interesse im großen Spiel der Macht. So hat z.B. IBM versucht, das Microsoft Office Monopol zu brechen, indem Unternehmen und privaten Nutzern suggeriert wurde, offene Software sei preiswerter als die der großen Monopolisten und anderer Softwareunternehmen, die versuchen, für ihre Arbeit Geld zu erhalten.

Dieses Image müssen die Unternehmen, die ihre Software offen zur Verfügung stellen, ihren Kunden jetzt wieder abgewöhnen. Offen heißt heute bei vielerlei (Business-) Software nicht mehr frei oder umsonst. Häufig trifft man auf Community-Editionen, die frei zur Verfügung gestellt werden, für Support und besondere Funktionen muss man dann aber bezahlen.

Der Wert dahinter

Offen wird damit ein Wert an sich. Der Begriff steht für eine Geisteshaltung, dem Gegenüber und der Gesellschaft Einblick zu gewähren. Dies hat nicht nur bei Sicherheitssoftware einen Wert durch die Möglichkeit zum Peer-Review, sondern auch für private und geschäftliche Nutzer. Denn diese können sich so sicher sein, dass die Daten von der Software sorgfältig verarbeitet werden und kein Missbrauch mit den durch die Software verarbeiteten Daten betrieben wird.

Offen steht damit für viele inzwischen auch für Transparenz im geschäftlichen Umgang – für ein Geschäftsprinzip auf Basis von Vertrauen.

Das haben bereits vor Jahren auch die großen Anbieter wie Facebook und Google bemerkt. So stellt Facebook nicht nur seine Konzepte und Methoden zum Betrieb von Rechenzentren „Open Source“, sondern auch eine Vielzahl von – ebenfalls sehr strategischen – Softwareprojekten. Bei Google ist es ähnlich: „Jeder profitiert“, ist die Meinung dort.

“Open Source als Geisteshaltung für Offenheit und Transparenz“

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Willkommen in der as a Service-Welt

Aber halt – waren die Großen (Monopolisten) nicht früher ‘mal die Gegner der ursprünglichen Open Source Bewegung? Wieso können es sich Monopolisten erlauben, ihr mühsam erarbeitetes geistiges Eigentum mit anderen zu teilen?

Es ist eben nicht so, dass Software (alleine) die Welt auffrisst. Ein in Form eines Dienstes (Service) betriebenes Stück Software, das von vielen genutzt wird, bestimmt die Regeln der (Wirtschafts-) Welt ab heute und in Zukunft.

Selbst wenn der Code frei verfügbar ist, von allen angeschaut, frei kopiert und in andere eigene Software eingebaut werden kann, hat ein „normales“ Unternehmen im Kontext der Betriebs- und Exekutions-Effizienz von Facebook oder Google einfach keine Chance. Der Software-Code alleine reicht in der heutigen Zeit einfach nicht mehr aus. Wir leben in der as a Service-Welt. (Zudem stellen die großen Monopolisten natürlich nicht all ihren Code offen zur Verfügung.)

Wir sollten daher in Zukunft unterscheiden nach offener Software von „normalen“ Unternehmen und offener Software von Cloud-Monopolisten.

Doch was wird aus Open Source in der as a Service-Welt?

Spannend ist ein Blick in die Zukunft: Wenn Software in Zukunft nur noch effizient als as a Service-Lösung angeboten werden kann, weil die vielfache Implementierung von unterschiedlichen Dienstleistern letztlich zu ineffizient ist, was passiert dann mit den großen offenen Softwareprojekten wie Kopano, Next-Cloud oder Seafile?

Nach den heute aktuellen Konzepten der DevOps und Continuous Deployment-Welt gehören die Code-Entwicklung und der Betrieb untrennbar zusammen. Und die großen Cloud-Geschäftsmodelle von SalesForce, ServiceNow oder Google beweisen die Mächtigkeit der Idee.

Da bekommen offene Konzepte, wie ein LibreOffice oder Seafile, ihre PS einfach nicht auf die Straße, weil sie ihre Software von vielen Distributoren und Integratoren implementieren und betreiben lassen müssen. Anders als in den Cloud-as a Service-Modellen entstehen auch keine Netzwerkeffekte und Synergien durch viele Installationen, aus denen sowohl die Nutzer als auch der Anbieter einen Vorteil ziehen können.

Überlebensstrategien für Open Source

Vielleicht ist die Containerisierung und die damit verbundene totale Standardisierung des Betriebs eine Möglichkeit, wie Open Source-Software in Zukunft überleben kann. Dann müssen die Softwareanbieter jedoch Aggregations-Funktionen für die Netzwerkeffekte einbauen. Diese wiederum würden aber die vielen Integratoren angreifen, die den heutigen Open Source-Softwareanbietern die Stange halten und die Projekte mit vertreiben.

Vielleicht muss sich die Open Source-Gemeinde aber auch damit anfreunden, dass sie ihren Code in Zukunft in die Public Cloud legt und dafür offene Betriebskonzepte entwickelt. Dann wären Open Source-Projekte jedoch kein Refugium mehr für Cloud-Skeptiker.

In der Open Source-Welt wird sich also in Zukunft eine Menge tun (müssen). Nicht nur ich finde den Open Source-Gedanken der Offenheit immer noch spannend und bin davon überzeugt, dass die Konzepte dahinter in einer offenen Cloud- und as a Service-Welt ohne Monopole eine Zukunft haben werden und müssen.

Dazu machen wir bei synaix/CANCOM uns eine Menge Gedanken und freuen uns auf den Austausch!

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