Digitale Bildung – Chance oder Gefahr?
Digitale Bildung – Chance oder Gefahr? - Andrey_Popov/Shutterstock.com

Digitale Bildung – Chance oder Gefahr?

Der Markt für digitale Bildung boomt. Zahlreiche Angebote und E-Learning Apps wollen das Lernen erleichtern und revolutionieren. Das Angebot reicht vom digitalen Vokabeltrainer wie Phase 6 über Sprachlern-Apps bis hin zum Mathe-Programm. Schon für die Kleinsten gibt es digitale Lernspiele – schließlich kann man nicht früh genug anfangen, sich spielerisch mit den neuen Technologien auseinanderzusetzen. Und für die Großen steht eine Vielzahl von Onlinekursen in virtuellen Klassenräumen bereit.

Doch was bringen uns diese ganzen Angebote? Und damit meine ich hier keine Test-Bewertung zur Tauglichkeit einzelner Apps und Programme, sondern die Frage, wie wir Menschen mit dieser neuen Art des Lernens umgehen. Ist es sinnvoll, Kindern zum Lernen Tablets in die Hand zu drücken? Welche Chancen bieten die Möglichkeiten des E-Learning und was gilt es zu beachten? Dieser Frage möchte ich mich mit Hilfe der aktuellen Literatur annähern.

“Digitale Bildung – Wie gehen wir Menschen mit dieser neuen Art des Lernens um?“

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Versuch einer Synthese aus zwei Büchern

Die Bücher zum Thema Digitales Lernen gehen die Sache in der Regel bewusst polemisch an:  ein reißerischer Titel kann das gesellschaftliche Lager erkennbar bedienen und wirkt außerdem verkaufsfördernd. Ein Diskurs oder eine nach vorne gerichtete, sinnvolle Synthese wird damit jedoch schwierig. Aber warum nicht einfach mal ´was Neues ausprobieren? Ich kaufe zwei Bücher aus den unterschiedlichen Lagern und stelle deren Ansätze gegenüber –  dann kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Für dieses Experiment habe ich zwei aktuelle Bücher aus dem virtuellen Regal gezogen:

Die Lüge der digitalen Bildung (für Kinder)

Die beiden Autoren untersuchen in ihrem Buch den Aspekt, ob Kinder zwischen 0 und 14 Jahren schon mit Hilfe digitaler Medien lernen sollten, und kommen zu dem klaren Schluss, dass Smartphones und Tablets nicht in Kinderhände gehören.

Ihre Argumentation basiert auf den Bedürfnissen der Kinder in den einzelnen Entwicklungsphasen. Neben dem Aspekt der Verflechtung von medialen Inhalten mit Werbung gehen Gerald Lembke und Ingo Leipner besonders auf den Verlust der Impulskontrolle durch Lernspiele ein. Aus Ihrer Erfahrung und ihrem Verständnis der Entwicklung von Kindern können virtuelle Lernbegleiter keine echte Motivation aufbauen und keinen Bezug zur realen Welt herstellen.

Auch wenn die digitalen Medien und Lernunterstützer im Einsatz bei unseren Kindern in der Darstellung der Autoren durchweg schlecht wegkommen, hat man nicht den Eindruck, dass es sich um eine einseitige Darstellung handelt. Nicht ganz einsichtig ist mir persönlich das letzte Kapitel, in dem auch MOOCs (Massive Open Online Courses) „ihr Fett“ wegbekommen.

Die digitale Bildungsrevolution

Viel positiver blicken Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt auf die Chancen digitaler Bildung. Allerdings betrachten sie auch nicht die Lern-Welt unserer Kinder von 0 bis 14 Jahren, sondern beschäftigen sich vor allem mit den neuen Möglichkeiten des Zugangs zu erstklassigen Kursen an erstklassigen Unis, der dank digitaler Kurse jetzt viel mehr Menschen offensteht.

In einer immer komplexeren Welt mit einer zunehmenden Zahl von Berufsbildern haben die Autoren keinerlei Argwohn vor einer Analyse von Lernvorgängen durch Algorithmen. Sie sehen vor allem die neuen Möglichkeiten, eines besseren Fit des algorithmisch bewerteten Lernerfolgs für die persönliche Berufswahl, oder sogar um die Daten mit einem perfekten Job zu matchen.

Die Autoren stehen diesem Ansatz auch nicht in allen Punkten positiv gegenüber, gehen aber davon aus, dass wir dieser Zukunft sowieso nicht entrinnen können und daher das Beste draus machen sollten.

Aktive Mitgestaltung, damit digitale Bildung gelingen kann

Übrigens: Auch die Schulen in unserer Region setzen sich intensiv damit auseinander, wie digitale Medien den Unterricht sinnvoll und gewinnbringend ergänzen können. Das Gymnasium Würselen kann hier auf langjährige Erfahrungen und Erkenntnisprozesse zurückblicken.

Die Sichtweisen in den beiden Büchern können unterschiedlicher nicht sein – und dennoch gibt es einen Common Ground: Die Autoren beider Bücher wissen, dass die Digitalisierung von Bildung sowohl bei unseren Kindern als auch bei den Erwachsenen massiv zunehmen wird. Beide Autorenduos rufen zur aktiven Mitgestaltung durch Eltern und Lernende auf.

“Aktive Mitgestaltung von Eltern, Lernenden und Lehrern – damit Digitale Bildung gelingen kann“

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Dass hinter diesen neuen digitalen Möglichkeiten Chancen und Risiken liegen, ist klar. Die spannende Frage ist, wie wir die Risiken gerade für unsere Kinder signifikant verringern können, und trotzdem einen Großteil der neuen Chancen ergreifen und nutzen lernen.

Weitere Lese-Empfehlungen zu den Themenbereichen Digitale Transformation und Entrepreneurship gibt es hier auf meinem Blog oder direkt bei Amazon.

Gerald Lembke, Ingo Leipner
Die Lüge der digitalen Bildung: Warum unsere Kinder das Lernen verlernen
Redline Verlag, 256 Seiten, 19,99 Euro
Kindle Ausgabe 15,99 Euro

Jörg Dräger, Ralph Müller-Eiselt
Die digitale Bildungsrevolution: Der radikale Wandel des Lernens und wie wir ihn gestalten können
Deutsche Verlags-Anstalt, 240 Seiten, 17,99 Euro
Kindle-Ausgabe 13,99 Euro

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