Digitaler Strukturwandel – sind regionale Konzepte der richtige Einstieg in die digitale Transformation?
Digitaler Strukturwandel - sind regionale Konzepte der richtige Einstieg in die digitale Transformation? │stefanfritz.de

Digitaler Strukturwandel – sind regionale Konzepte der richtige Einstieg in die digitale Transformation?

Nicht nur in der Region Aachen machen sich viele Menschen Gedanken, wie die digitale Transformation gestaltet werden kann. Häufig sind Innovations-Projekte oder Branchen-Initiativen die Impulsgeber. Die Technologie-Unternehmen, die früher häufig Treiber für die Digitalisierung von Prozessen waren, verlieren zunehmend ihre aktive Rolle. Einige Menschen hoffen auf Initiativen der Verbände, entweder wieder als Branchenverband (direkt mit der Abstimmung: was tun die anderen?) – oder als Flächenverbände wie die Industrie- und Handelskammern (IHKs) oder die Handwerkskammern. Doch bisher scheint keiner so richtig geeignet zu sein, eine Schlüsselposition für den digitalen Strukturwandel einzunehmen.

Brad Feld berichtet in seinem Buch „Startup Communities“ von einem Unternehmer-getriebenen regionalen Ansatz. Zwar fokussiert er vor allem auf Startups, aber seine Konzepte für Startups lassen sich ohne weiteres auch als Blaupause für einen regionalen und durch Unternehmer getriebenen digitalen Strukturwandel verwenden. So können wir hier in Aachen den Wandel von einer Technologieregion in eine Digitalregion Aachen gestalten. Mein Lesetipp für alle, die diesen Wandel mit vorantreiben möchten.

 

Brad Felds Selbstversuch zur regionalen Förderung des Digitalen Wandels – Buchrezension zu seinem Ansatz der Startup Ökosysteme

Die ersten Kapitel von „Startup Communities“ sind zum besseren Verständnis der politischen und demografischen Besonderheiten von Felds Wahlheimat Boulder (in der Nähe von Denver) ganz hilfreich. Dort hat der Autor über viele Jahre hinweg als Unternehmer und Investor eine aktive Startup-Gemeinschaft auf- und ausgebaut. – Ich gebe zu, in meiner Ungeduld war mir dieser Teil ein wenig langatmig.

Die folgenden Kernkapitel haben es aber schnell geschafft, mich zu fesseln:

  • Prinzipien für eine lebendige Startup-Gemeinschaft
  • Teilnehmer (und Rollen) einer Startup-Gemeinschaft
  • die klassischen Probleme
  • Aktivitäten und Veranstaltungen

Die aufgestellten Prinzipien sind Felds Quintessenz für eine fruchtbare Startup-Gemeinschaft. Da er sie an den Anfang stellt, sind sie für den Leser zunächst etwas abstrakt; durch die weiteren Erläuterungen werden die Prinzipien aber schnell klar und nachvollziehbar.

Teilnehmer, Rollenverteilung und Veranstaltungsformate

Hilfreich für alle, die sich in Deutschland mit dem Thema Gründer-Unterstützung auseinandersetzen, sind die Teilnehmer und ihre Rollenverteilung. Dabei wird deutlich, dass wir in Deutschland viel zu strukturiert, und daher mit der falschen Geisteshaltung, an die Entwicklung von Startup-Ökosystemen herangehen. Schließlich handelt es sich bei Ökosystemen um etwas Lebendiges und Ausgewogenes. Da kann es nicht gutgehen, wenn sich hierarchische Organisationen wie die Wirtschaftsförderung (der Städte), Technologietransfergesellschaften, Universitäten oder auch IHKs im besten Sinne um die Führungsaufgabe in einer Gründergemeinschaft streiten. Die Anregungen von Brad Feld in diesem Kontext sind für alle Gruppen hilfreich, weil sie eine prima Basis für die große gemeinsame Aufgabe schaffen.

“Wie funktioniert Digitale Transformation für eine ganze Region?“

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Sehr interessant sind auch die Beschreibung und Bewertung der vielen in Boulder ausprobierten Veranstaltungsformate. Die Entwicklung der Formate im Laufe der Zeit gibt dabei ebenfalls wertvolle Anregungen.

Brad Felds persönlicher Rat: ein Startup Ökosystem kann man nicht am Reißbrett entwerfen, sondern man muss es – genau wie das Startup selbst – als großes Experiment mit kontinuierlichen Anpassungen sehen.

Ein gemeinsames Verständnis für die Aufgabe Digitaler Strukturwandel

Der größte Verdienst, den dieses Buch leisten kann, ist der, eine Gruppe von Menschen in kohärente Schwingungen zu versetzen. Nach der Lektüre von Startup Communities können Gründer; Investoren und Mentoren die große Aufgabe, in ihrer Region ein lebendiges Ökosystem für Startups und generell für den Digitalen Strukturwandel aufzubauen, vielleicht ein wenig entspannter und freudiger angehen, weil sie auf den großen Erfahrungsschatz von Brad Feld zurückgreifen können. Die 224 Seiten lassen sich auch auf Englisch flüssig lesen und bilden mit ihrer facettenreichen Darstellung einen interessanten Gegenpol zur üblichen Silicon Valley-Fokussierung.


Weitere Lese-Empfehlungen zu den Themenbereichen Digitale Transformation und Entrepreneurship gibt es hier auf meinem Blog 
oder direkt bei Amazon.

Brad Feld
Startup Communities: Building an Entrepreneurial Ecosystem in Your City
John Wiley & Sons, 224 Seiten, 23,65 Euro
Kindle Ausgabe 17,99 Euro
Audio CD 16,42 Euro

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