Gastbeitrag: e.GO: Elektromobilität und gelungene digitale Transformation aus Aachen
e.GO: Elektromobilität und digitale Transformation aus Aachen - Foto ©Krentz/ e.GO Mobile AG

Gastbeitrag: e.GO: Elektromobilität und gelungene digitale Transformation aus Aachen

Digitale Transformation – das hört sich abstrakt und theoretisch an. Viele Unternehmen wissen nicht, wie sie das auf ihr Geschäftsmodell übertragen und womit sie anfangen sollen.

Dr. Rupert Deger beschäftigt sich als CIO der e.GO Mobile AG und Geschäftsführer des European 4.0 Transformation Center am RWTH Aachen Campus mit der Frage, wie die Prozesse für Entwicklung und Produktion eines Elektrofahrzeugs mittels Digitalisierung komplett auf den Kopf gestellt werden können.

In seinem Gastbeitrag beschreibt er, wie andere Unternehmen an den e.GO Erfahrungen mit der Digitalisierung von Produkten und Prozessen teilhaben und sich diese zunutze machen können.

e.GO: Digitalisierung zum Anfassen

von Dr. Rupert Deger

Das Aachener Elektroauto-StartUp e.GO Mobile AG hat sein erstes Modell angekündigt unter der Überschrift „e.GO Life – Bezahlbares Elektroauto durch Industrie 4.0„.  Mit bezahlbar ist dabei gemeint: der e.GO Life bietet ein viel besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als konventionellere Ansätze, die oft nur einen Elektroantrieb in bekannte Modelle einpassen und deutlich mehr kosten als das gleiche Modell mit Verbrennungsmotor.

Dies erfordert ein gutes Verständnis, was ein Elektroauto attraktiv und praktisch macht, um die Ausstattung entsprechend zu fokussieren.  Für einen neuen Hersteller bedeutet das aber auch:  Geringe Kosten bei relativ geringen Stückzahlen erreichen.  Dabei helfen eine Produktarchitektur, die kostengünstige Herstellungsverfahren mit geringen Anfangsinvestitionen erlaubt, sowie das Arbeiten mit sehr schlanken Prozessen mit hoher Änderungsflexibilität („Agilität“) in allen Abteilungen, um beispielsweise ein Fahrzeugentwicklungsprojekt mit einem Bruchteil des sonst üblichen Budgets und deutlich schneller als bei traditionellen Herstellern zu bewältigen.

“Fahrzeugentwicklung preiswerter und schneller als bei traditionellen Herstellern: e.GO zeigt, wie´s geht“

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Agilität durch konsequente Digitalisierung

Diese Agilität basiert auch auf konsequenter Digitalisierung. Wie können unsere Erfahrungen mit e.GO auf andere Fälle übertragen werden?

  1.  Top down Programm:  Jedes Unternehmen braucht eine gesamthafte Zielvorstellung „Industrie 4.0“ oder „digital transformiert“, die grob (und weiterentwickelbar) beschreibt, wie sich die eigenen Produkte und Dienstleistungen, die Abläufe und mögliche neue Geschäftsmodelle darstellen sollen. Daraus wird ein Portfolio von Umsetzungsprojekten abgeleitet.
  2. Realtime-Based Competition ist ein wichtiges Kriterium:  Denken Sie an das Airline-Ticketing und den Check-in von früher. Mit den heutigen Smartphone-Prozessen gibt es viel mehr papierlosen Echtzeit-Kontakt zwischen Kunden, Anbietern, und weiteren Prozessbeteiligten!  Für die Industrie heißt das, dass IT-unterstützte Vorgänge nicht mehr nur deskriptiv helfen, sondern auch Ursachenanalysen, Vorhersagen und direkte Entscheidungsunterstützung bieten sollten.
  3. Das Steuern der eigenen 4.0-Reifegrade auf diese Fähigkeiten-Niveaus hin ist ein wichtiger Teil der Umsetzung.  Von wo nach wo wollen wir uns bei welchen Prozessen im nächsten Jahr bewegen?  Darauf sollte eine klar definierte Antwort von den Mitarbeitern gegeben werden können.
  4. Spiegelbildlich gilt das für die Informationstechnik im Unternehmen. Mehr 4.0 bedeutet hier:  mehr Apps.  Und das heißt:  Datenquellen und Benutzeroberflächen werden konsequent in zwei getrennten Dimensionen geführt, auch wenn deren enge Kopplung bei etablierten Arbeitsweisen mit den gewohnten monolithischen IT-Systemen erhalten bleibt;  auf beiden Dimensionen nimmt die Vielfalt zu, und die langfristige Planbarkeit nimmt ab, um der Kreativität Raum zu geben.  Etablierte Vorgehensweisen werden so um eine „Appitecture“ bereichert. 

    “e.GO als Praxisbeispiel für Digitalisierung – einprägsamer als jede Powerpoint-Präsentation!“

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  5. Beschleunigung der konkreten Transformation:  Nicht zuletzt ist e.GO ein Anschauungsbeispiel für die RWTH Aachen Campus-Besucher.  Wir und die am Campus immatrikulierten Partner durften erfreut feststellen, dass Industriebesucher auf der Suche nach 4.0-Transformationszielen und –wegen viele konkrete Anregungen mitnehmen können und vor allem einfacher und schneller als in so mancher Powerpoint-Schlacht das eigene Thema definieren und abstimmen können.  Also darf der haptische Aspekt, den e.GO und andere hier bieten, nicht zu kurz kommen!

Veranstaltungshinweis

Praxisforum „Digitale Transformation erleben“
Vom 20.-21. September 2016 veranstaltet das European 4.0 Transformation Center als Mitglied des RWTH Aachen Campus in Kooperation mit dem Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen das Praxisforum „Digitale Transformation erleben“. Das Praxisforum bietet Ihnen die Möglichkeit zum Austausch im Rahmen von Vorträgen, Ausstellungen und Diskussionsrunden. Es behandelt Industrie 4.0 anhand des Einsatzes bei der der Aachener e.GO Mobile AG, die bezahlbare Elektrofahrzeuge entwickelt und herstellt, sowie anhand weiterführender Best Practices für smarte, vernetzte Produkte und Fabriken.

 

Erleben Sie den e.GO Life auf Ihrem Schreibtisch

Wenn Sie schon heute – als Vorgeschmack – einen e.GO Life bei sich virtuell über den Tisch fahren lassen möchten, dann nutzen Sie den Zugang zu unserer kostenlosen Augmented Reality App.

0E4A7676Dr. Rupert Deger

ist CIO der e.GO Mobile AG und Geschäftsführer des European 4.0 Transformation Center.

 

 

 

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogparade Elektromobilität 2016 – eine gemeinsame Aktion von stefanfritz.de und Ingenieurversteher.de.

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