Enterprise IT und Systemhäuser: So sieht ihre wahre Zukunft aus
Enterprise IT und Systemhäuser: So sieht ihre wahre Zukunft aus (Bild: geralt/pixabay.com)

Enterprise IT und Systemhäuser: So sieht ihre wahre Zukunft aus

Seit vielen Jahren stehen Enterprise IT und Systemhäuser in Abhängigkeit zueinander. Daran ändern auch Spielarten wie Outsourcing, Managed Services und Cloud nichts. Statt Buzzword-Diskussionen über On-Premises, Cloud oder IaaS braucht echter Wandel ein Umdenken in den Köpfen und die Anpassung des Delivery Models zu (Software) as a Service.

Enterprise IT (also IT-Abteilungen/-Bereiche) und Systemhäuser bedingen sich gegenseitig und sind zwei Player im selben Spiel. Die dahinter liegende Geschichte und Rollenverteilung hat sich seit 20 Jahren nicht verändert. Jeder, der eine tolle Idee im IT-Umfeld hat, ist entweder Hersteller oder Softwarelieferant.

Die Idee allein bringt einem Unternehmen jedoch in der Regel keinen Nutzen. Dieser erschließt sich erst durch Integration der neuen Lösung in bestehende Lösungen im Unternehmen. Diesen Job übernimmt die IT-Abteilung. Und weil alles so kompliziert ist, kann das die IT-Abteilung eines Unternehmens auch nicht allein schaffen. Dazu braucht man dann die Systemhäuser (Systemintegratoren (SI), Value Added Reseller (VAR)), die dem Unternehmen mit Handlungsbedarf zum einen die Lösung verkaufen, weil der Hersteller das nur über seinen Channel macht, und zudem auch Unterstützung bei der Integration.

Das Risiko der Integration trägt dabei das Unternehmen selbst. Denn weder die IT-Abteilung noch das Systemhaus sind bereit, die Verantwortung für eine reibungslose Implementierung und einen reibungslosen Betrieb zu übernehmen. Enterprise IT und Systemhäuser sind also voneinander abhängig und haben das gleiche Ziel: beide wollen, dass diese Welt so bleibt, wie sie ist.

Ist Outtasking die Lösung?

An diesem Bild ändert auch die Diskussion über Outsourcing oder Outtasking nichts. Die IT-Abteilung wird in diesem Szenario ein wenig kleiner und das Budget für die Systemhäuser und Integratoren im Gegenzug ein wenig größer.

Auch wenn es den Juristen gelingt, ein wenig Verantwortung in die Verträge hineinzuverhandeln und die Systemhäuser so auch einen (kleinen) Teil der Verantwortung tragen müssen, ändert sich nichts an der Struktur. Entweder übernimmt der Systemanbieter Verantwortung, dann darf aber nichts mehr geändert werden und das Geschäft des auslagernden Unternehmens stirbt. Oder das auslagernde Unternehmen trägt weiter das Integrationsrisiko (und die Kosten explodieren).

Oder lieber Managed Service?

Der Managed Service-Ansatz vermag das Bild ebenfalls nicht zu verändern. Managed Service bedeutet in dieser Welt, dass der Service für den Bereich Netzwerk an einen Dienstleister ausgelagert wird. In der Regel wird festgelegt, welcher Anbieter (z.B. Cisco) verwendet werden muss und die ITIL-Prozesse für Incidents, Changes usw. werden in einem Managed Service-Vertrag festgeschrieben. Die Integrationsleistung für den Service Netzwerk übernimmt dann in den festgelegten Bereichen der Systemintegrator.

Damit hat sich am Konzept der letzten 20 Jahre nichts geändert, denn das Unternehmen sucht ja eigentlich nicht jemanden, der ihm „das Netzwerk“ betreibt, sondern jemanden, der ihm die IT-Unterstützung für einen Geschäftsprozess liefert.

Also Shared Managed Service!

Klar, sagen die Shared Managed Service Provider: Einen echten Vorteil kann man ja auch nicht bieten mit ein wenig Prozess Sharing bei der Service-Erbringung durch ein einheitliches Kontaktmanagement (UHD). Für eine sinnvolle Automatisierung braucht es eine einheitliche, geteilte Infrastruktur – betrieben beim Shared Managed Service Provider und am besten in einem deutschen Rechenzentrum. Nur so können endlich einige Mechanismen und Vorteile der Cloud-Welt, nämlich Standardisierung und Automatisierung, für eine Reihe von Kunden greifen.

Mit Sicherheit sind Shared Managed Services die effizienteste Methode, um in dem bekannten Modell von Herstellern, Serviceprovidern/Systemhäusern und Organisationen mit ihren IT-Abteilungen Leistungen zu erbringen.

So weit, so gut. Und welche Vorteile bringt dann die Cloud?!

Kein Paradigmenwechsel mit der Cloud

Cloud-Computing bringt in diesem Szenario keinen Paradigmenwechsel. Denn an den Integrationsrisiken beim Unternehmen ändert sich immer noch nichts, wenn Infrastrukturleistungen (IaaS) von nun an bei Hyperscalern wie Amazon (AWS) oder Microsoft (Azure) eingekauft werden. Die Software-Lösung muss schließlich immer noch installiert und integriert werden, sowohl auf den Backend-Systemen, als auch auf den Desktops.

Voraussetzung: Veränderung der Softwarehersteller

Der echte Wechsel im Bereitstellungskonzept entsteht, wenn aus dem Software-Lieferanten, der immer mit einem großen Implementierungsprojekt beginnt und dann die Anforderungen für die Betriebs-Umgebung definiert, endlich ein As a Service-Anbieter wird. Der Anbieter bietet eine betriebsfertige Lösung an. Der Preis für den Betrieb ist im As a Service-Preis enthalten.

Ohne diese Veränderung beim Softwarehersteller (ISV), der mit seiner Leistung auch das Operating-Risiko und Teile des Integrations-Risikos seiner Software-Lösung übernimmt, kann es also keinen Paradigmenwechsel im Zusammenspiel zwischen Unternehmen, deren IT-Organisation und den IT-Dienstleistern wie Systemhäusern und Service-Providern geben.

Und solange Unternehmen solchen As a Service- Softwareanbietern in ihrem Auswahlprozess nicht ganz klar den Vorzug geben, wird sich das klassische Bild der IT auch nicht verändern.

Die neue Welt mit neuen Herausforderungen

In dieser neuen Welt der vielen As a Service-Software-Lösungen muss weiterhin integriert werden. Die Backend-Systeme müssen „hintenrum“ Daten austauschen, Artikelstämme abgleichen und Transaktionen weiterreichen.

Und vor allem müssen die verschiedenen Services gegenüber den Endbenutzern zusammengefasst und verwaltet werden. Wer darf auf welche Lösung mit welchen Rechten zugreifen? Welcher Kostenstelle werden die Kosten weiter berechnet? Hier wird eine Integrationsschicht benötigt, die Applikations-Bündel angepasst für die Erfordernisse des Benutzers in Bezug auf einzelne Endgeräte wie virtuelle Desktops (VDI), Tablets oder Smartphones vorbereitet und durch einen fachlichen Vorgesetzten verwaltbar macht.

Genau an dieser Stelle entscheidet sich in Zukunft die Überlebensfähigkeit einer Organisation: Kann das Management dieser neuen Komplexität effizient aber vor allem flexibel genug abgewickelt werden, um die enormen Anforderungen der Organisation von morgen zu erfüllen?

Für diese Anforderungen entstehen aktuell neue Integrations-Werkzeuge am Markt, die in der Lage sind, diese Herausforderung technisch und organisatorisch zu lösen. Die wirkliche Herausforderung für Unternehmen wie auch für die IT-Anbieter wird es sein, nach 20 Jahren endlich einen ersten wirklichen strukturellen Wandel zu vollziehen.

Noch mehr Komplexität für Enterprise IT

Und selbst wenn ein Unternehmen heute diesen Kurs einschlägt, werden Jahre vergehen, bis alle Lösungen umgestellt sind. Das alte Bereitstellungsmodell wird sich noch über einen Zeitraum von mehreren Jahren halten können. Wie können Unternehmen in dieser Phase die neue Komplexität aus alter und neuer Welt managen?

Der Schlüssel dazu ist der Software Defined Workspace. Er ermöglicht es, sowohl Applikationen im As a Service-Modell, als auch bisherige 32 Bit Legacy Applikationen in einem integrierten Modell unabhängig von der darunter liegenden Infrastruktur zu betreiben.

Buzzword Bingo adé

Der echte strukturelle Wechsel für Enterprise IT und IT-Anbieter ist die Veränderung des Delivery Models und die damit einhergehende neue Integrationslinie. Integration erfolgt nicht mehr auf der Ebene Software – Infrastruktur – Desktop“, sondern durch die Orchestrierung verschiedener Business Services (Software as a Service).

Damit gehören Kämpfe um On-Premises, Cloud, IaaS oder Server einer Vergangenheit an, mit der sich niemand mehr beschäftigen sollte.

An diesem Paradigmenwechsel werden nicht nur die IT-Abteilungen und die Systemhäuser/Integratoren noch eine Weile zu knabbern haben, sondern auch die Bereitsteller der Werkzeuge wie VMware oder Citrix. Zu lange wurde der belanglose Kampf zwischen On Premises und Cloud befeuert. Es wird neue Anbieter geben, die die Integrations- und Orchestrierung-Werkzeuge für diese Software-basierte Welt bereitstellen werden.

Und wer API-basierte Services technisch verwaltet und verbindet, wird in Zukunft auch über Marktplätze die kaufmännische Abwicklung mit abwickeln. Nur durch diese Integration von technischen und kaufmännischen Prozessen wird sich in Zukunft das Potenzial der API-basierten, skalierenden und Pay as you use-Geschäft-Services nutzen lassen.

Endlich ´mal etwas wirklich Neues in der tradierten Welt der IT-Abteilungen und Systemhäuser!

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