Gefährdet Künstliche Intelligenz unsere Demokratie?
Gefährdet Künstliche Intelligenz unsere Demokratie? (Bild: pixabay.com/mwewering)

Gefährdet Künstliche Intelligenz unsere Demokratie?

Als Spezialistin für Datenanalysen hat sich Yvonne Hofstetter schon in ihrem ersten Buch „Sie wissen alles: Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir um unsere Freiheit kämpfen müssen“ mit den Auswirkungen von Digitalisierung auf die Gesellschaft beschäftigt.

In ihrem aktuellen Buch „Das Ende der Demokratie: Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt“ geht es weniger um allgemeine gesellschaftliche Auswirkungen, als viel mehr um die konkreten Auswirkungen von Big Data auf Politik und Demokratie.

Was passiert mit unserer Demokratie, die wir mit individueller Freiheit, Entscheidungsmacht und Selbstbestimmung verbinden, wenn künstliche Intelligenzen die Kontrolle übernehmen und uns entmündigen? Gerade im Kontext der Bundestagswahl im September eine brisante Frage, wenn wir uns vorstellen, dass in Zukunft vielleicht nicht mehr wir Menschen die politischen Zügel in der Hand halten, sondern intelligente Technologien.

Fiktive Szenarien in Europa

In Hofstetters Gedanken ist die fiktive Geschichte einer künstlichen Intelligenz (AI) eingewoben. Diese simuliert unsere europäische Demokratie und erhält die Aufgabe, Europa vor dem drohenden Untergang zu bewahren. Dazu rechnet die AI eine Menge Simulationen durch. Einige Szenarien, wie die einer zukünftigen Rechts-Regierung in Frankreich, die Frankreich vom Euro abkoppelt und die französische Wirtschaft durch protektionistische Maßnahmen schützt, sind im Buch konkret ausformuliert.

Diese fiktiven Einschübe machen die Auswirkungen digitaler Technologien zwar begreifbar, als Leser verliert man aber leicht den Überblick über die Abgrenzung zwischen dem rein fiktiven Teil und den Ängsten und Sorgen der Autorin um uns Menschen in der Realität.

Hofstetter gelangt für sich zu dem Schluss, dass selbst mit einer (aktuell noch fiktiven) künstlichen Intelligenz, die sich um den positiven Fortbestand von Europa und der europäischen Werte kümmert, letztlich die Grundprinzipien der Demokratie durch die immer intensivere Anwendung digitaler Technologien in unseren menschlichen Lebensräumen zerstört werden.

Korrelation von juristischer und digitaler Welt

Spannend sind die Kapitel zur Wechselwirkung von Maschinen-Intelligenz und Gesetzen. Welche Aufgaben aus der Gesetzeswelt nimmt uns in Zukunft eine intelligente Umgebung mit ihren Gegebenheiten ab? Und wie müssen Gesetze konstruiert sein, damit sie auch auf Algorithmen wirken können und damit die digitale Welt umfassen?

“Wir brauchen Gesetze, die unsere digitale Welt mit ihren Algorithmen umfassen. #yvonnehofstetter “

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All die Informationen zu den verschiedenen Konzepten der künstlichen Intelligenz und ihren Funktionsweisen vermitteln ein gutes Hintergrundwissen. Hier spürt man die große Erfahrung von Yvonne Hofstetter im Umgang mit Big Data und dem Einsatz in konkreten Projekten.

In Alarmbereitschaft?!

Auch wenn es an der einen oder anderen Stelle Hinweise zu möglichen positiven Veränderungen durch die Nutzung digitaler Technologien gibt und diese als Impuls für eine positive digitale Zukunft verstanden werden können, ist das Gesamtfazit doch sehr düster.

Die negative Sicht für eine digitale Zukunft beruht vor allem auf dem durch die heutigen Silicon Valley Unternehmen geprägten digitalen Imperialismus. Hofstetter geht davon aus, dass deren Macht in den nächsten Jahren nicht beschnitten wird, sie sich deshalb weiter in unseren Alltag eingraben und uns zunehmend beeinflussen.

Keine Panik vor den digitalen Chancen

Ich würde an dieser Stelle weiter gehen und sagen: Diese Beeinflussung sehe ich noch verstärkt durch den imperialistischen Datenkapitalismus – Digital-Monopole gefährden die Digitalisierung und unsere Demokratie. Was wir in dem Zusammenhang brauchen, sind neue Gesetze gegen diese Monopole und aktive Politiker, die sich auf die Suche nach neuen digitalen Formen der Demokratie begeben.

Aus meiner Sicht ist Hofstetters „Das Ende der Demokratie“ auf jeden Fall ein spannendes Buch zum Thema künstliche Intelligenz und Demokratie. Die düsteren Prognosen teile ich so nicht; das Buch macht mal wieder unnötig Angst vor digitalen Chancen, die uns mit Sicherheit viele neue Möglichkeiten bieten können. Trotzdem eine klare Leseempfehlung!

Weitere Lese-Empfehlungen zu den Themenbereichen Digitale Transformation und Entrepreneurship gibt es hier auf meinem Blog oder direkt bei Amazon.

 

Yvonne Hofstetter
Das Ende der Demokratie: Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt
Bertelsmann Verlag, 512 Seiten, 22,99 Euro
Kindle Ausgabe 18,99 Euro

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