Impact Investitionen: Wie wir die Kraft des Kapitalismus für das Gemeinwohl einsetzen können

Impact Investitionen: Wie wir die Kraft des Kapitalismus für das Gemeinwohl einsetzen können (Bild: geralt/pixabay.com)
Impact Investitionen: Wie wir die Kraft des Kapitalismus für das Gemeinwohl einsetzen können (Bild: geralt/pixabay.com)

Es hängt – wie immer – von der Perspektive ab: Wollen wir die schlechten Seiten des Kapitalismus bändigen und zügeln, vielleicht mit immer neuen Regeln und Gesetzen? Oder wollen wir eigentlich die vorhandenen Kräfte neu ordnen und die Möglichkeiten in neue Aufgaben kanalisieren? Sir Ronald Cohen hat Ideen, Erfahrungen und Erfolge für den zweiten Ansatz in ein kurzweiliges Buch gepackt: Impact: Ein neuer Kapitalismus für echte Veränderungen

Vielleicht müssen wir uns einfach noch einmal bewusst machen, dass die Ausgaben und Schulden der einen die Einnahmen der anderen sind. Es ist also ziemlich verrückt, wenn Menschen und Stiftungen mit großen Vermögen und voller kapitalistischer Energie versuchen, Geld auf ihre Seite zu ziehen bzw. zu verdienen, um dann über philanthropische Projekte, Spenden oder Schenkungen der Gesellschaft ohne Gegenleistung etwas zurückzugeben. 

Schon für Normal-Bürger ist es damit nicht logisch, wenn sie auf der einen Seite Geld verdienen für harte Arbeit und ihre Leistung, und dann einen Teil dieses Verdienstes für einen guten Zweck spenden. Und das, ohne eine Gegenleistung zu erwarten und daher auch, ohne einen Nachweis für die Wirkung des gespendeten Gelds einzufordern.

An dieser Stelle bringt Cohen die Idee der Impact Investition ins Spiel, und zwar auf zwei grundsätzlich verschiedenen Ebenen:

  • Bei allem, in das wir unsere Arbeitskraft oder unser Geld investieren, sollten wir versuchen, die Auswirkungen auf Umwelt, Natur und uns Menschen zu berücksichtigen. Dies ist die Idee der ESG-Aktivitäten von Firmen und Organisationen.
  • Aber parallel dazu sollten wir die Kräfte der kapitalistischen Methoden nutzen, um Einfluss zu nehmen auf bisher scheinbar nicht messbare Veränderungen im sozialen und gesellschaftlichen Umfeld: zum Beispiel durch die Verringerung der Rückfallquote von Strafgefangenen oder die Folge von Armut bei Migranten durch mangelnden Spracherwerb. 

ESG – Einfluss durch breitere Transparenz der Auswirkungen

Ein Unternehmen hat erstmal das Ziel, Geld zu verdienen. Das ist Shareholder Logik. In letzter Zeit wird viel über Purpose, also das „Warum“ hinter dem Geschäftsmodell, den Sinn eines Unternehmens, gesprochen. Wahrscheinlich ist es besser, wir sprechen in Zukunft stattdessen über den Impact. Das aber eben erheblich breiter und umfassender, als nur auf den Zweck des Unternehmens zu schauen. 

Auch ein Unternehmen mit einem guten Zweck kann unter ESG-Aspekten (Environment, Social, Governance) eine fürchterliche Gesamtbilanz haben. In Zukunft müssen wir lernen, mit einem breiten Kriterienkatalog die Gesamt-Auswirkung einer Organisation oder eines Unternehmens zu bewerten und einzuordnen. Die rein finanziellen Maßzahlen dürfen für Mitarbeiter (Gehalt), Kunden (Preis) und auch Investoren (Rendite) nicht mehr das alleinige Maß der Dinge sein.

Genau hier sind wir mit der wachsenden Berücksichtigung von ESG-Kriterien bei Investoren auf einem guten Weg. Der Wachstums-Fokussierung des Kapitalismus werden durch eine Verschiebung des Scopes von reinen Wirtschafts-Maßzahlen auch auf Nicht-Finanzahlen Fesseln angelegt. Das scheint erheblich wirkungsvoller als neue Regulierungen und Gesetze. Diesen Weg müssen wir als Gesellschaft einschlagen und weiterentwickeln.

Impact Investing

Absolut abgefahren ist das Konzept, die Veränderung bzw. Verbesserung konkreter gesellschaftlicher Maßzahlen in neue Geschäftsmodelle zu verpacken. In diesem Bereich haben wir bisher zu einfach gedacht. Das konkrete Beispiel von Sir Ronald Cohen sieht so aus: Wenn wir die Rückfallquote von Straftätern in einem Bundesland reduzieren wollen, dann schaffen wir dazu zunächst einen Geld-Stock in Form eines SIB (Social Impact Bond). 

Wir werben Geld ein von Privatpersonen und Institutionen und versprechen eine Rendite, wenn die Rückfallquote von 30 auf 15 Prozent sinkt. Menschen und Organisationen spenden dann nicht einfach Geld, sondern fordern eine konkrete Verbesserung ein. Sie sind aber der Risikoträger, wenn die Verbesserung nicht eintritt. Diese Investoren spenden also nur noch im Falle des Misserfolgs. Der SIB sucht nun mit vorhandenem Geld Unternehmen aus, die in der Lage sind, die Kennzahlen entsprechend konkret zu verbessern. Diese Unternehmen müssen also ein Konzept und einen Umsetzungsplan dafür haben. Es lohnt sich also auf einmal für hochqualifizierte Menschen, soziale Aufgaben wie in einem Startup mit einem finanziellen Anreiz des Auftrages zu lösen. Wesentlich ist, dass sie wie im Geschäftsleben einen Nachweis für die Wirksamkeit liefern müssen.

Wenn diese Unternehmen den Auftrag erfüllen, muss sowohl das durchführende Unternehmen bezahlt werden als auch die Risiko-Kapitalgeber (früher Spender), denn ihnen ist eine Rendite versprochen worden, wenn die Kennzahlen konkret verbessert wurden.

Diese Rolle übernimmt der Outcome Payer. Das kann der Staat sein, also die Gemeinschaft. Diese benötigt selbst einen Business-Case, also den Nachweis, dass die Reduktion der Straf-Rückfälligkeit um x Prozent zu Minderkosten in konkreter Form in anderen Budgets führt. Ein Outcome Payer kann aber auch eine Stiftung oder eine andere Institution sein, die bisher über Spenden versucht hat, positive Effekte zu erzielen, darüber aber in der Vergangenheit keine Nachweise hatte.

Dieser Ansatz sieht zwar zunächst recht kompliziert aus, bei genauerer Betrachtung bekommt man aber eine saubere Aufspaltung von Interessen-Konflikten hin. Und vor allem verlässt man die Welt der reinen Hoffnung auf die positive Wirkung von Spenden, indem man Menschen und Organisationen für konkrete Ergebnisse honoriert.

Ich finde diese Idee extrem spannend und kann das Buch nur empfehlen. Und keine Sorge, Cohen liefert mit seinem Buch noch deutlich mehr Input. Zum einen vielfältige konkrete Beispiele, zum anderen tiefergehende Konzepte, die über das angeführte Beispiel hinausgehen.

Und es zeigt, dass man aus der wirkungsvollen Idee des Kapitalismus durch einen Perspektivwechsel nicht nur die negativen Aspekte reduzieren kann (ESG), sondern die Kraft der Idee in neue Bereiche hineinbringen kann, die bisher trotz der Energie von vielen Millionen Menschen einfach nicht effizient sind.

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Ronald Cohen 
Impact: Ein neuer Kapitalismus für echte Veränderungen
Plassen Verlag, 272 Seiten, 22,90 Euro
Kindle-Ausgabe 19,99 Euro

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