Inklusion und Technologie – Aussichten für unsere Welt von morgen

6. März 2019

Wie sähe eine Welt aus, in der Menschen, die an einem Locked-in-Syndrom leiden, einen physischen Körper bekämen und diesen über eine Neuro-Schnittstelle steuern könnten?

In Scalzis aktuellem Buch Frontal wird dieses Szenario Wirklichkeit. Mithilfe eines Roboterkörpers können diese Menschen in seinem Roman fast ohne Einschränkungen an der uns heute bekannten physischen Welt teilhaben.

Ihre Körper werden gepflegt und mit Nährstoffen versorgt, während ihr Bewusstsein über diesen fremden Körper interagiert. Wer sich keinen physischen Körper leisten kann, der lebt mit den anderen Locked-In- Patienten isoliert in einer abgekapselten virtuellen Welt.

Leben in einem anderen Körper als Inklusion?

Was wäre nun, wenn es auf einmal durch eine Viruserkrankung signifikant viele Locked-In Patienten gäbe und viele von ihnen ein Leben mit einem fremden Roboterkörper führen können? Scalzi nennt sie Hadens – und auf einmal verschwimmt die Grenze zwischen krank und normal. Sind Hadens krank oder nur eine andere Lebensform?

Anhand dieser Fragestellung wir deutlich, dass Inklusion eben mehr bedeutet als Integration. Bei Integration sind die „anderen“ akzeptiert, sind aber eben noch „anders“ und werden nicht als „normal“ angesehen. Bei Inklusion erfolgt die gleichberechtigte Teilhabe bedingungslos – das Normalsein ist selbst nur eine Form der Varianz.

Eine Gesellschaft, die diese Art von Inklusion ermöglicht, benötigt aber auch finanzielle Mittel, um jede Form von Anders-Sein nicht nur zu akzeptieren, sondern auch technisch ermöglichen zu können.

Macht, Sport, Korruption und Gesellschaftskritik

Um genau dieses Spannungsfeld geht es in Frontal. Eine mitreißende Geschichte um Komplott, Mord und Macht, die Scalzi in einer nicht allzu fernen Zukunft ansiedelt.

In die Meta-Ebenen muss man selbst eintauchen, denn sie werden nicht explizit angesprochen. Oberflächlich betrachtet geht es in Frontal um zynisch bis skurrile Typen, die eine neue Sportliga für Hadens aufbauen, um Doping der anderen Art und um Korruption, die in ihrem Ausmaß selbst die FIFA erblassen ließe.

Die rasante Story zeigt einen Scalzi in Bestform. – Und wie er in eine solche Geschichte noch profunde Kritik an unseren Gesundheitssystem und tiefe Einblicke in die gesellschaftlichen Stolpersteine der Inklusionspolitik einbaut, finde ich geradezu bewundernswert.

Scalzi hat mich von der ersten bis zur letzten Seite mit einem guten Krimi gefesselt. – Nach dem ersten Haden- Krimi (Das Syndrom) war Frontal eine weitere Steigerung. Ich bin gespannt auf einen dritten Teil!

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John Scalzi
Frontal: Roman
FISCHER Tor, 368 Seiten, 14,99 Euro
Kindle Ausgabe 11,99 Euro

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