Kann man das Vorlesen von Kinderbüchern “outsourcen”?

Kann man das Vorlesen von Kinderbüchern “outsourcen”?

Kinder lieben es, Bücher vorgelesen zu bekommen. Vorlesen ist ein altes und bewährtes Hausmittel für viele Fälle: Kinder zu beschäftigen oder zu beruhigen, vielleicht auch zum Einschlafen zu bringen, gemeinsame Rituale leben. Kurz: Kinder und Eltern einfach glücklich zu machen, all das geht mit einem guten Buch und etwas Zeit. Und genau da liegt für viele das Problem…

So kommt man als digital-affiner und vielleicht gestresster Vorleser auf die Idee, ob man das Vorlesen für einige dieser Anwendungsfälle nicht delegieren kann.

Eine Reihe der heute verfügbaren eBook-Lese-Apps verfügt schon über Vorlesefunktionen: Android hat eine eingebaute TextToSpeach Funktion, Apple hat mit IOS8 die Vorlesefunktion auf Betriebssystemebene gerade verbessert. Sie kann mit den üblichen Lese-Apps (etwa der Amazon Kindle App oder iBook auf Apple Geräten) genutzt werden. So richtige Begeisterung kommt beim Hören allerdings nicht auf und die leicht quakenden Stimmen können unsere Kinder ganz bestimmt nicht zufrieden stellen. Etwas besser klingt Dreamreader auf Apple Geräten, aber auch das will man seinen Kindern nicht wirklich zumuten.

Auf Youtube findet man doch eigentlich alles – vielleicht auch Vorleser für Kinderbücher? Und siehe da: Rundfunkredakteurin Nina Liebold etwa hat einige von Grimms Märchen bei Youtube “eingelesen”. Die “Märchentante” sitzt bequem und idyllisch im Sessel vor dem Kamin und hörenswert ist es allemal, doch leider kann man vom Buch mit den Illustrationen nichts sehen. Neuere Bücher sucht man auf Youtube vergebens, was angesichts der Urheberrechte nachvollziehbar ist.

Bleibt Eltern, die gerade keine Zeit zum selber Vorlesen haben, also doch nur die Möglichkeit, den Kindern die „Glotze“ anzumachen, oder das Tablet mit einer Kinder-App in die Hand zu drücken?

Nein, es gibt noch eine weitere Option, sogar hier aus der Heimat: Im Technologiezentrum am Europaplatz hat sich Claus Overbeck genau damit auseinandergesetzt, wie man das Vorlesen von Kinderbüchern in einen digitalen Service packen kann. Heraus gekommen ist http://www.LivingKidsBooks.com.

Auf Computer, Tablet oder Smartphone kann man nach der Registrierung aus einer Reihe von Kinderbüchern auswählen und das Vorlesen direkt starten. Während die Kinder den Text von einer professionellen Sprecherin oder Sprecher vorgelesen bekommen, sehen sie auf dem Bildschirm die dazugehörigen Buchseiten und können beim Zuhören die Bilder betrachten oder vielleicht schon etwas mitlesen.

Als Premium-User erhält man für 14,90 pro Monat Zugang zu allen Büchern, quasi als Flatrate. Aktuell sind noch nicht so viele Bücher eingesprochen, daher ist die Premium Funktion bewusst noch ein wenig versteckt – schließlich ist der Dienst noch in der Erkundungsphase. Denn neben den ganzen rechtlichen Aspekten, die Claus Overbeck mit den immerhin schon zwölf Verlagen zu regeln hat, muss ja auch das Geld für die Einspielungen irgendwo herkommen. Auf der Plattform sind derzeit über 20 Buchfilme zu sehen und hören, weitere 25 sind in Vorbereitung. Also für ein Startup schon eine ziemliche Herausforderung.

Wann ein solcher Dienst wirkungsvoll einsetzbar ist, muss jeder mit seinen Kindern und für sich selbst herausfinden. Natürlich ist das selber Vorlesen, nicht zuletzt wegen der Kuschel- Komponente, eine wichtige Erfahrung, aber es ist halt nicht immer und überall möglich – und da kann man ja mit LivingKidsBooks experimentieren. Eine gute Alternative zu Fernsehen und Spiele-Apps ist es sicherlich.

Ich finde es toll, dass sich ein Startup aus Aachen an die Lösung dieser medialen Herausforderung gewagt hat. Also einfach mal reinhören und sich ein Bild machen!

Dieser Artikel erscheint heute auch in meiner Kolumne auf der Vernetzt-Seite (Seite 27) der Print- Ausgabe von Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten

 

Kommentare zu "Kann man das Vorlesen von Kinderbüchern “outsourcen”?"

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Frank Stein 18. März 2015 um 19:40 Uhr (Antworten)

Das Vorlesen von Kinderbüchern finde ich eine gute Idee, da dies für viele Zielgruppen eine Möglichkeit bietet, dass Kinder Bücher hörend lesen können.

– Sehbehinderte Kinder, die nicht oder eingeschränkt lesen können oder sehbehinderte Eltern, die normal große Schrift nicht lesen können.
– Eltern mit vielen Kindern, die nicht allen gleichzeitig vorlesen können, da jeder etwas anderes hören möchte.
– Kinder, die noch nicht lesen können und die Eltern sind sehbehindert.
– Kinder mit kognitiven Defiziten, die gehörtes besser verarbeiten können.
– Nicht alles gibt es als Hörbuch oder als Hörspiel.

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