Technologie menschenwürdig gestalten – eine Teamaufgabe!
Technologie menschenwürdig gestalten – eine Teamaufgabe! (Bild: jarmoluk/pixabay.com)

Technologie menschenwürdig gestalten – eine Teamaufgabe!

Immer wieder stoßen wir auf Widersprüche zwischen digitaler Technologie und deren positiven und negativen Einflüssen auf unser Menschsein. In der Regel positionieren Menschen sich recht eindeutig für eine Seite – entweder Befürworter oder Skeptiker – wenn es um die Beurteilung des Nutzens von digitaler Technologie für uns geht.

Andere – und vermutlich vor allem viele, die Bücher oder Artikel wie diese lesen – lösen ihre innere Zerrissenheit in Bezug auf ihre Zugehörigkeit zu einem der beiden Lager, indem sie weite Teile ihrer alltäglichen Nutzen-Gewohnheiten verdrängen und gar nicht erst versuchen, in ihrem Handeln konsistent zu sein. So gibt es Menschen, die täglich Google als Suchmaschine und Google Mail nutzen, denen Onlinebanking aber viel zu unsicher ist; oder auch Netflix-Nutzern, die nichts bei Amazon bestellen, weil dadurch der Einzelhandel zerstört wird.

Das Ziel: der Einklang von Technologie und menschlichen Bedürfnissen

Douglas Rushkoff bietet uns mit „Team Human“ 100 kurze Statements, die pointiert das Für und Wider des Einsatzes digitaler Technologie und dessen Auswirkungen auf viele menschliche Aspekte wie Medien, Ökonomie, Wissenschaft, Ethik oder Spiritualität aufzeigen. Er bietet uns dabei keine Entscheidungshilfe für ein bestimmtes Lager an. Stattdessen erschafft er ein neues Bild, mit welchen Bewertungsmaßstäben wir ab jetzt und in Zukunft Technologie einsetzen und nutzen sollen bzw. können.

Dabei geht es ihm um den Einklang von Technologie und menschlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten. Wir Menschen sind soziale Wesen, die Kommunikation untereinander benötigen, um uns entfalten und entwickeln zu können. Und daher ist es Rushkoffs Ansicht nach besser für uns, Technologie so zu nutzen, dass wir uns mittels deren Möglichkeiten besser weiterentwickeln können.

Das hört sich zunächst esoterisch und abgehoben an. In den 100 Statements ist davon jedoch nichts zu spüren. Sie enthalten konkrete und greifbare Aspekte und Argumente, die wir alle zu unserer weiteren Diskussion und Abwägung nutzen können uns sollten.

Rushkoff beschäftigt sich nicht damit, ob und in welchen Feldern wir digitale Technologie nutzen sollten oder können, sondern wie wir es in Zukunft schaffen in menschenwürdiger Form mit Technologie zu koexistieren und diese im Sinne des Menschen zu nutzen.

Aufrüttelnde Spiegelung unseres Verhaltens

Die vorgestellten Gedanken sind alles zwischen inspirierend, cool, verstörend und aufrüttelnd:

  • Wir nutzen Technologie nicht mehr als Werkzeug, sondern als Umgebung, über die wir andere Menschen und unsere Umwelt wahrnehmen. Wir Menschen selbst funktionieren dann nur noch in dieser Technologie-Umgebung.
  • Wir ersetzen die Wahrnehmung von Menschen mit maschinennahen Begriffen und Algorithmen. Wir behandeln nicht nur Maschinen wie Menschen, sondern Menschen wie Maschinen.
  • Technologie an sich will nichts erreichen. Erst das Betriebsmodell, in dem wir eine Technologie nutzen, gibt dieser eine Richtung. Die meisten Technologien werden heute – in einem marktorientierten Modell – mit dem Ziel eingesetzt, Wachstum zu ermöglichen.

Alle Betriebsmodelle wie Märkte, Nationalstaaten, Bildung und Wissenschaft geben wir selbst vor – folglich können wir sie auch selbst wieder ändern. Dabei ist es unsere Aufgabe als Menschen, darauf zu achten, dass unsere Betriebsmodelle auch unserem Wohle dienen.

Rushkoffs Buch ist damit ein Weckruf und eine klare Aufforderung an uns Menschen, jetzt zu handeln und unseren Planeten menschlich und lebenswert zu erhalten – gemeinsam.

Weitere Lese-Empfehlungen zu den Themenbereichen Digitale Transformation und Entrepreneurship gibt es hier auf meinem Blog oder direkt bei Amazon.

Douglas Rushkoff
Team HumanW. Norton & Company, 248 Seiten, 14,99 Euro
Kindle-Edition 9,99 Euro

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