Unsere Demokratie ist in Gefahr

23. November 2022

René Pfister schaut in seinem Buch Ein falsches Wort mit Sorge auf die amerikanische Gesellschaft und Demokratie. In seiner Analyse erläutert er die heute vielfach genutzten Begriffe wie Woke, Cancel-Kultur und Diversity. An der einen oder anderen Stelle schaut er von Amerika aus über den Atlantik und sieht auch in Europa klare Tendenzen, die das Grundprinzip der Demokratie, die Entscheidung und den Willen der Mehrheit, in Frage stellen.

Er versucht, Ordnung in den Dschungel zwischen modern, links, rechts, konservativ, offen und divers zu bringen. Leistung darf in dieser Welt kein Entscheidungskriterium oder Ziel mehr sein. Narrative im Spielball der durch technische Plattformen künstlich erzeugten Aufmerksamkeitsökonomie bestimmen die Deutungshoheit.

Und wir müssen uns die Frage stellen, was aus den Werten und Idealen der Aufklärung, der Freiheit des Einzelnen und der Freiheit der Meinungsäußerung sowie dem Grundprinzip der Demokratie durch Herrschaft der Mehrheit geworden ist.

Identitätspolitik spaltet genauso wie Diskriminierung

In dieser neuen Welt kann Diskriminierung heute, entstanden durch Handlungen in der Vergangenheit nur durch Diskriminierung in der Zukunft behoben werden. Konkret: früher diskriminierte Gruppen müssen in Zukunft aktiv bevorzugt werden. – Ist das gerecht?

„Im Gegensatz zum traditionellen Diskurs über Bürgerrechte, der den schrittweisen Fortschritt betont, stellt die Critical Race Theory die liberale Ordnung ganz grundsätzlich infrage – inklusive des Gleichheitsgrundsatzes, des Abwägens rechtlicher Argumente, des Rationalismus der Aufklärung und des Prinzips, wonach jeder vor der Verfassung gleich ist. Mit anderen Worten: Sie greift den postmodernen Gedanken auf, dass die Werte der Aufklärung und der Demokratie nur ein weiteres Machtnarrativ sind – ein vielleicht subtiles, dafür aber umso effektiveres Herrschaftsinstrument.“

Diese Werte werden durch vor allem linke Identitätspolitik angegriffen und ausgehöhlt. Denn bei der heute auch in Deutschland schon verbreiteten Identitätspolitik geht es um die Reduktion auf die Bedürfnisse einer spezifischen Gruppe von Menschen. Deren Bedürfnisse sollen durch die Politik mehr Anerkennung erhalten, um den Einfluss und die Position der entsprechenden Gruppe gesellschaftlichen zu stärken und den Einfluss zu erhöhen.

Eine solche Identitäts-Politik spaltet, anstatt im Diskurs eine Annäherung der Lager überhaupt zu beabsichtigen.

Warum Aufklärung weiterhin Wert-voll ist

Was wir dabei offensichtlich vergessen haben, ist das Fundament der Aufklärung: „Liberalismus entstand als Reaktion auf die Religionskriege im 16. und 17. Jahrhundert. Im Kern beinhaltet er den Gedanken, dass Individuen bestimmte Rechte besitzen: zunächst auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit, aber auch das Recht, seine Religion und seine politischen Überzeugungen zu wählen und Eigentum zu generieren.“

Diese Prinzipien werden in der Woke- und Cancel-Welt durch technisch verstärkte Filterblasen in Frage gestellt.

Wir benötigen eine Rückbesinnung auf Werte wie Respekt und Toleranz und keine Verstärkung von Empörung. Wenn wir das nächste Mal in der Social Media-Welt über die Empörung getriggert werden, sollten wir versuchen, den Kontext etwas breiter zu erfassen. Wie kann eine gesellschaftliche Lösung aussehen? Was sind die Ursachen?

Wir erzeugen mit zu viel Fokus auf Gender, Diversity, Cancel-Kultur und Woke eine Welt, die uns trennt, anstatt vereint.

Wer mehr darüber wissen will, sollte dieses Buch lesen. Es lohnt sich.

In unserem Leben sollte es um Inklusion und Teilhabe für alle gehen und nicht um Kampf und augenscheinliche Gerechtigkeit!

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René Pfister
Ein falsches Wort: Wie eine neue linke Ideologie aus Amerika unsere Meinungsfreiheit bedroht
Deutsche Verlags-Anstalt, 256 Seiten, 22,00 Euro
E-Book 19,99 Euro

Quelle: https://pixabay.com/de/photos/hand-arm-faust-reichweite-protest-1482801/
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