Warum Autonomes Fahren im Tesla Style der falsche Weg ist
Warum Autonomes Fahren im Tesla Style der falsche Weg ist - Foto: pixabay.com/Hans

Warum Autonomes Fahren im Tesla Style der falsche Weg ist

Unser Mensch-Maschine-Schnittstellen Design funktioniert nicht für die Zukunft  

Autonomes Fahren – in der Regel in Kombination mit Elektromobilität – das sind derzeit die großen Themen für die digitale Transformation der Mobilität. Die einen hoffen, dass der Durchbruch für Autonomes Fahren für uns alle kurz bevor steht. Die anderen bezweifeln immer noch, ob es jemals soweit kommen wird.

Begeisterte Tesla Fahrer machen Videos, wie sie während der Fahrt am Computer arbeiten oder Zeitung lesen. Und dann sind diese Unfälle passiert, die zeigen, dass das autonome Fahren doch noch nicht soweit ist.

Ein klassischer Zwei-Fehler-Fall

Die Analyse im Fall des tödlichen Tesla- Unfalls ergab, dass das Steuersystem diese Situation nicht erkennen konnte. Ein klassischer technischer Zwei-Fehler-Fall: Dem Auto wird die Vorfahrt genommen und der Abstands-Erkenner schaut unter dem Auflieger des Trucks hindurch und erkennt damit den Truck als Ganzes nicht.

Mensch-Maschine-Systeme: die große Unterstützung für uns Menschen

Schweifen wir ein wenig ab in die Geschichte und schauen, wie wir seit dem zweiten Weltkrieg Mensch-Maschine-Systeme konstruieren. Thomas Rid gibt dazu in seinem Buch Maschinendämmerung einen guten Überblick, den ich hier kurz aufgreife: Das Militär brauchte Unterstützung beim Abschuss schneller Flugzeuge und der gefährlichen Raketen. Die Fähigkeiten der Bediener an den Flugabwehrgeschossen reichten nicht mehr aus zum Schutz gegen die drohende Gefahr. Deshalb haben unsere Vorfahren kybernetische Systeme konstruiert, um die Fähigkeiten der Menschen mit Hilfe der Technik zu erweitern.

So haben wir das immer weiter gemacht. Die ersten militärischen VR-Systeme in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts dienten ebenso wie die heutigen VR-Systeme dazu, die Möglichkeiten der menschlichen Nutzer zu erweitern. Der Mensch soll aber weiterhin das Maß aller Dinge bleiben und die wesentlichen Entscheidungen treffen. Wir schaffen Mensch-Maschine-Systeme, bei denen nicht mehr ganz klar ist, wer welchen Teil der Verantwortung trägt.

Regelfälle kann die Maschine bearbeiten, für besondere Situationen ist der Mensch gefragt

Diese Entwicklung haben wir mit zunehmender Digitalisierung auch auf Flugzeugpiloten und Ärzte übertragen. Piloten schauen 99 Prozent ihrer Flugzeit dem Autopiloten zu und sollen dann, wenn es brenzlig wird, die Maschine retten. Und das, obwohl sie faktisch nur geringe Flugerfahrung haben, weil ja in 99 Prozent der Zeit der Autopilot fliegt. Diese Aufgabe der Mensch-Maschine-Systeme ist faktisch unmöglich zu erfüllen durch den Menschen.

Doch mit den Ärzten machen wir es ebenso, indem wir ihnen über Empfehlungssysteme tausend Tipps und Vorschläge geben. In über 80 Prozent der Fälle brauchen die Ärzte in den Entscheidungssystemen nur noch mit ihrem „Ja“ zuzustimmen. Wie schwer wird es da, die Fälle zu erkennen, die ein „Nein“ erfordern?!

Autonomes Fahren: Zusehen und im entscheidenden Moment eingreifen

Und jetzt übertragen wir unseren Denkfehler auf das Autonome Fahren im Auto: Die aktuellen Tests zeigen, dass diese Autos quasi autonom fahren; aber wir Menschen sollen 99 Prozent der Zeit dabei zu sehen, wie die Maschine es richtig macht, um dann im entscheidenden Augenblick den auftretenden Fehler zu erkennen.

Und das Coolste dabei: Der Warnaufkleber in der Bedienungsanleitung, der mich auf die Gefahr und meine Pflicht hinweist, ist genauso groß wie der Hinweis, dass ich die defekte Blinker-Birne doch besser nicht selber tausche oder nicht an die Batterie fassen soll. Dabei ist die vom Autonomen Fahren ausgehende Gefahr ungleich größer.

Unser bisheriges Mensch-Maschine Verständnis degradiert den Menschen zum Aufpasser

Unser Mensch-Maschine Verständnis ist falsch und ungeeignet für eine gemeinsame Zukunft mit Robotern, egal ob zu Hause als Haushaltsroboter, beim autonomen Fahren oder in Produktionsanlagen. Wir dürfen die Maschinen nicht länger als Erweiterung unserer menschlichen Fähigkeiten konstruieren und uns Menschen zum Aufpasser degradieren. Damit digitale Innovation gelingen kann, müssen wir Maschinen so konstruieren, dass sie die ihnen übertragenen Aufgaben selbstständig lösen können und in allen Fällen dafür sorgen, dass wir Menschen dabei nicht zu Schaden kommen.

“Unser bisheriges Mensch-Maschine Verständnis degradiert den Menschen zum Aufpasser #Autonomes Fahren“

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Das ist in Bezug auf Autonomes Fahren natürlich eine ganz schöne Herausforderung. Denn in einer Zukunft, in der mehr als 90 Prozent der Fahrten von autonomen Maschinen durchgeführt werden, wird sich die Komplexität für die Maschinen in Summe reduzieren, weil Maschinen untereinander sich einfacher abstimmen können. Heute hingegen, wo nur 1 Prozent der Fahrzeuge autonom fahren, muss man bei den autonomen Systemen vor allem die Unzulänglichkeiten der anderen Menschen ausgleichen.

Doch völlig unabhängig davon, ob diese Aufgabe schwierig ist und es dadurch ein wenig länger dauert, bis wir (endlich) von Maschinen chauffiert werden: Wir müssen nicht nur bei den Autos unsere Mensch-Maschine-Systeme und Schnittstellen überdenken und nach diesem neuen Paradigma überarbeiten.

 

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogparade Elektromobilität 2016 – eine gemeinsame Aktion von stefanfritz.de und Ingenieurversteher.de.

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