Warum wir die Nachhaltigkeit der aktuellen Blockchain im Auge behalten sollten
Warum wir die Nachhaltigkeit der aktuellen Blockchain im Auge behalten sollten (pixabay.com/ ElisaRiva)

Warum wir die Nachhaltigkeit der aktuellen Blockchain im Auge behalten sollten

Oder: Lässt sich Vertrauen doch nicht so einfach digitalisieren?

Die Digitalisierung hilft in vielen Fällen dabei, die Stoffstrommengen zu reduzieren und hat damit in vielen Bereichen einen positiven nachhaltigen Einfluss auf Lebensgewohnheiten und unsere Gesellschaft.

Für einige Nutzungsbeispiele in der digitalen Welt gibt es bereits konkrete Berechnungen über die ökologischen Auswirkungen:

  • Eine Google-Anfrage verbraucht 0,3 Wattstunden,
  • für eine eBay Auktion werden 18g CO2 freigesetzt
  • und ein eBook-Reader ist erst nach dem Lesen von mehr als 23 Büchern ökologisch sinnvoll.

Digitale Plattformen sorgen für Nachhaltigkeit

Die positiven Aspekte durch höhere Effizienz bei der Nutzung von Services und Diensten sind z.B. für die Nutzung von Uber konkret untersucht worden. Dabei wurde aufgezeigt, dass die Werte für Luftverschmutzung und Wartezeiten in Staus nach der Einführung von Uber Pool in einigen Gebieten zurückgegangen sind.

Tendenziell ist zu erwarten, dass digitale Plattformen sich bei weiterer Untersuchung in vielen Bereichen als nachhaltig und positiv für unsere Umwelt herausstellen werden.

Die Argumente der Gegner

Die Kritiker einer nachhaltigen Digitalisierung haben vor allem zwei Argumente:

  1. Die Grundlage unserer digitalen Welt sind Smartphones. Wir setzen diese Geräte aufgrund des enormen technologischen Fortschrittes nur für eine sehr kurze Zeitspanne von ein bis drei Jahren bis zu ihrer Entsorgung ein. Der ökologische Fußabdruck der Geräte ist in Hinblick auf den Ressourcen-Einsatz und damit auf die Stoffströme ausgesprochen negativ.
  2. Bei uns Verbrauchern kommt es zu sogenannten Rebound-Effekten: Die Ingenieure geben sich Mühe, damit unser Autos immer weniger Energie verbrauchen. Doch wir Verbraucher wählen zur Belohnung beim nächsten Autokauf das noch größere Modell aufgrund der höheren technischen Effizienz. Solche Rebound-Effekte zerstören damit einen Großteil der positiven Effekte des Einsatzes digitaler Technologien.

Persönlich bin ich im Hinblick auf die durch Digitalisierung zu erreichenden Einsparungen bei Stoffstrommengen und den dadurch zu erzielenden positiven Aspekten der Nachhaltigkeit durch Digitalisierung positiv eingestellt, da die Wirkmechanismen konvergent sind.

“Digitale Plattformen sind tendenziell nachhaltig. Derzeitige Ausnahme: #Blockchain “

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Die Blockchain als Energiefresser

Anders sieht dies bei einem Teil-Gebiet der Digitalisierung aus: Dem aktuellen Hype Blockchain. Je nach Quelle wird behauptet, dass eine einzige Transaktion aktuell 15 KWh verbraucht, also mehr als ein ganzer Haushalt an einem Tag. Zwar ist der Artikel in der Kritik, weil er z.B. nur die aktuell noch relativ niedrigen Transaktionsraten auf den gesamten Stromverbrauch umlegt und sich dieses Verhältnis in Zukunft durch steigende Transaktionsraten verbessern wird. Doch auch diese Argumentation kann nicht darüber hinweg täuschen, dass eine (auch nicht gerade für Prozess-Effizienz bekannte) Kreditkarten-Buchung nur 1/5000 dieses Stromverbrauchs pro Transaktion benötigt.

Der Preis des Vertrauens

Erforderlich ist diese gigantische Strommenge für den sogenannten Proof of Work (POW). Mit dieser Systematik bildet die Blockchain die Dezentralisierung von Vertrauen ab. Dazu lösen viele Miner irgendwo auf diesem Planeten kryptographische Probleme, was eben den hohen Stromverbrauch erfordert. Solange kein Miner mehr als 50 Prozent des Mining-Prozesses unter seine Kontrolle bekommt, gilt die Blockchain als sicher. Und weil es bis heute ausreichend viele Bitcoins für diese Miner gibt, existiert auch ein ausreichender Wettbewerb, der wiederum für die Sicherheit des Systems sorgt.

Es liegt also offensichtlich in der Natur der Dinge, dass dieser POW-Ansatz viele Ressourcen verbrauchen muss und eine hohe Attraktivität besitzt, um das erwünschte dezentralisierte Vertrauen zu erzeugen. Ansätze, dieses Dilemma alternativ zu lösen, z.B. durch den Proof of Stake-Ansatz (POS), haben bisher nicht die gewünschte Robustheit für die Kryptowährung gebracht.

Vertrauen braucht Energie

Es hat eine gewisse Tragik, dass der große Hoffnungsträger der digitalen Welt – die Blockchain – einen inhärenten Webfehler hat. Vertrauen herzustellen kostet Energie. Bisher konnten wir das Vertrauen von Regierungen, Banken, Unternehmen, Organisationen und von Personen energietechnisch nicht bemessen. Aber genau die digitale Alternative für dieses Schmiermittel all unseres menschlichen Handelns lässt sich nun ökologisch bewerten.

Eine spannende Entwicklung für die nächsten Jahre:

  • Werden wir den ökologischen Fußabdruck für technisch erzeugtes dezentrales Vertrauen deutlich reduzieren können – etwa so wie Ingenieure den Spritverbrauch eines Motors verringern?
  • Oder stellt sich bei diesem Prozess heraus, dass das menschliche Vertrauen am besten von Menschen produziert wird: durch den Einklang von Kommunikation und Handlung?

Ich jedenfalls bin gespannt, wie sich dieser Teilbereich der Digitalisierung unserer Welt weiter entwickeln wird.

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