Worüber wir diskutieren müssen, um in Zukunft nicht von Technologien überholt zu werden
Worüber wir diskutieren müssen, um in Zukunft nicht von Technologien überholt zu werden ( Peshkova / shutterstock.com)

Worüber wir diskutieren müssen, um in Zukunft nicht von Technologien überholt zu werden

Mit Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen reißt Yuval Noah Harari dem Leser durch seine neuen Perspektiven und Blickwinkel auf von unserem Gehirn liebgewonnene Lehrmeinungen und Wissen an der einen oder anderen Stelle den Boden unter den Füßen weg. Dabei geht es nicht um neues Faktenwissen: Harari wirbelt unsere Ontologien, also die Strukturen zur Ordnung unseres Wissens, durch seine Erzählung durcheinander.

Alte Strukturen in neuer Umgebung

Der Humanismus der letzten 3.000 Jahre hat uns Menschen zum Zentrum unseres irdischen Universums gemacht. Wir brauchen keine Götter und Gebote mehr, um uns in atemberaubender Geschwindigkeit weiter zu entwickeln und immer neue Erfolge zu feiern. Und doch können wir als Krönung der Schöpfung ganz elementare Widersprüche in unseren Gesellschaften nicht lösen. Oder warum tun wir auf der einen Seite alles, um länger fit zu bleiben und länger zu leben, auf der anderen Seite jedoch entledigen wir uns der vielen alten Menschen, indem wir sie ohne echte familiäre Zuneigung in Ghettos packen und daraus eine neue Industrie erwachsen lassen.

Wer und wie sind wir wirklich?

Der Angriff auf dieses Weltbild kommt aber nicht aus der moralischen Ecke. Wir Menschen erschaffen mit künstlichen Intelligenzen gerade ein Maschinarium, das uns an der einen oder anderen Stelle nicht nur ebenbürtig ist, sondern uns in den nächsten Jahren zunehmend überflügeln wird. Bei den Gedanken zu einer neuen Koexistenz von Menschen und Maschinen kommt Harari zu ganz anderen Fragestellungen als beispielsweise Nick Bostrom.

“Analytisch, scharfsinnig und aufregend – Leseverlangen nonstop #homodeus“

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Sind wir nicht auch nur aus zum Teil Millionen von Jahren alten Algorithmen zusammengesetzt? Wissen wir nicht schon längst, dass wir bei genauerem Hinsehen gar keine (unteilbaren) Individuen sind, sondern eben aus zehntausenden von Regelkreisen und Prozessmodellen bestehen? Wo also genau ist unser Ich beheimatet?

In jedem Fall haben wir Menschen etwas, was uns von Maschinen unterscheidet: einen Körper, mit dem wir wechselwirken. Dieser Körper erschafft damit unser Bewusstsein und ist zum einen eine Beschränkung für unseren Geist, aber eben auch genau das, was uns Menschen noch über einen langen Zeitraum vom Maschinen unterscheiden wird – und letztlich ausmacht.

Analyse und Aufforderung in einem

All die tieferen Gedanken und Erkenntnisse dazu lassen einen das Buch verschlingen – weiß man doch nicht, welche neue Perspektive sich auf der nächsten Seite ergibt. Aber natürlich gibt es keine echte Antwort auf all diese neuen Fragen, die Harari aufwirft. Zum Glück erliegt er auch gar nicht der Versuchung, uns mit ein paar Synthesen zu erleuchten (wie es viele Autoren vor ihm versucht haben). Im Gegenteil – er gibt uns ganz zum Schluss Fragen mit auf den Weg, die wir als Gesellschaft und Individuen angehen können (und sollten):

  • „Sind Organismen wirklich nur Algorithmen, und ist Leben wirklich nur Datenverarbeitung?“
  • „Was ist wertvoller – Intelligenz oder Bewusstsein?“
  • „Was wird aus unserer Gesellschaft, unserer Politik und unserem Alltagsleben, wenn nichtbewusste, aber hochintelligente Algorithmen uns besser kennen als wir uns selbst?“

Genau auf diese Diskussion mit allen Lesern freue ich mich!

Weitere Lese-Empfehlungen zu den Themenbereichen Digitale Transformation und Entrepreneurship gibt es hier auf meinem Blog oder direkt bei Amazon.

 

Yuval Noah Harari
Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen
C.H.Beck, 576 Seiten, 24,95 Euro
Kindle Ausgabe 19,99 Euro

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