Die Zukunft von Krypto-Währungen als fesselndes Gedankenspiel

Die Zukunft von Krypto-Währungen als fesselndes Gedankenspiel (Bild: Executium/unsplash.com)
Die Zukunft von Krypto-Währungen als fesselndes Gedankenspiel (Bild: Executium/unsplash.com)

Das Genre Krimi-Sachbuch ist eine seltene Gattung. Aber Tom Hillenbrand hat genau das mit Drohnenland, Hologrammatica und Qube schon ein paar ´mal erfolgreich umgesetzt.

Diesmal geht es um Krypto-Währungen, Bitcoin und die Blockchain. Bemerkenswert an seinem aktuellen Buch Montecrypto sind weniger der Schreibstil und die besondere Finesse. Doch Hillenbrand gelingt eine intime Beschreibung der Krypto-Szene, ihrer Charaktere, dem Traum von einer staatlich unabhängigen Währung und den Gefahren einer Verquickung staatlicher und unabhängiger Währungen.

Das Ganze ist verpackt in eine spannende Geschichte um einen Krypto-Unternehmer der ersten Stunde, der mit seinem neuen Bezahlsystem Krypto-Währungen überall anwendbar gemacht hat. Durch das Konstrukt als staatlich regulierter Stablecoin hat er aber nicht nur die Kernidee der Krypto-Gemeinde verraten, sondern auch das weltweite Finanzsystem gefährdet.

Warum Stablecoin keine wirkliche Stabilität bringt

Die Ähnlichkeit zur Facebook-Währung Diem (ehemals Libra) ist sicherlich nicht zufällig. Auch sie ist als Stablecoin konzeptioniert. Das wesentliche Merkmal von Stablecoin Krypto-Währungen ist, dass eine Fiatwährung hinterlegt wird, so wie vor Bretton Woods die Fiatwährungen mit Gold hinterlegt waren. Während viele Staaten skeptisch auf ein solches Konstrukt schauen, kann man einen Support der USA erkennen. Denn der Facebook Diem würde vor allem dem Dollar ein Überleben und einen Transfer in die digitale, komplett transparente und nachvollziehbare Welt ermöglichen.

Die Gefahr, auf die Hillenbrand hinweist, ist, dass dadurch ein Geldfonds von hunderten Milliarden Dollar (Euro, Yen) entsteht, der in der Lage ist, das gesamte Finanzsystem zu beeinflussen.

Die Utopien der Bitcoin-Jünger

Diem ist also das Schlechteste aus allen Welten: Kontrolle einer Währung durch amerikanische Wirtschaftsunternehmen, Aufbau von Nutzerprofilen über die Währung selbst (also ganz ohne Banken und Zahlungsdienstleister) in der Hand eines Werbe-Vermarkters und dazu noch die Kopplung an das Fiatsystem, um den Benutzern den Umstieg zu erleichtern.

Auch andere Probleme der Kryptowelt, wie das unwiederbringliche Verschwinden von großen und kleinen Geldmengen im Fall des Verlustes von Schlüsseln (Passwörtern) werden thematisiert.

Wirklich großartig gelungen ist Hillenbrand die Sujet-Beschreibung der Bitcoin-Welt. Die utopistische Darstellung einer Währung ohne staatlichen Einfluss. Die irreale Vorstellung eines digitalen Wertspeichers, leichter als Gold, nur in Form von Key-Phrases mit sich herumtragbar. Mobil. Dezentral. Unabhängig.

Ebenso wenig technisch und logisch realisierbar wie eine Gesellschaft zufriedener Menschen.

Letztlich ein reiner Macht-Tausch

Und man erahnt an allen möglichen Stellen die Wahrheit dieser freiheitsliebenden dezentralen Utopisten: Wir tauschen zentrale staatliche Macht gegen die zentrale Macht der Protokolle und Algorithmen – oder noch einfacher: Wir tauschen den Einfluss (demokratischer) Staaten und Verfassungen gegen den Einfluss großer Wirtschaftskonzerne. Die „Echte (utopische) Freiheit“ im Sinne von rechts- und regelfreiem Raum kann es logisch nicht geben. Wir müssen uns entscheiden, ob wir unsere Währungen letztlich Staaten, Wirtschaftsunternehmen oder Algorithmen anvertrauen.

Das Lesen war ein Genuss, weniger auf der sprachlichen Ebene, aber ganz klar durch die vielen neuen möglichen Verbindungen der heutigen Krypto-Welt mit einer schon sehr bald potenziell realistischen Zukunft, an der Staaten und Unternehmen bereits konkret arbeiten. 

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Tom Hillenbrand
Montecrypto: Thriller
KiWi Paperback, 448 Seiten, 16,00 Euro 
Kindle-Ausgabe 12,99 Euro

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