Wie wollen wir mit Daten und Algorithmen umgehen?

Wie wollen wir mit Daten und Algorithmen umgehen? (Bild: TheDigitalArtist/pixabay.com)
Wie wollen wir mit Daten und Algorithmen umgehen? (Bild: TheDigitalArtist/pixabay.com)

Für die meisten angehenden Programmierer ist „Hello World“ die erste Aktion, die der Rechner auf ihren Befehl hin anzeigt. Ebenso fangen wir als Individuen und Gesellschaft gerade erst an herauszufinden, was die Algorithmen mit uns anstellen, die wir zum ersten Mal verwenden und ausprobieren.

Hannah Fry vergleicht in ihrem Buch Hello World all die Möglichkeiten, die uns Smartphones, KI, Big Data und Sensoren geben, mit Lego-Bausteinen, die wir zu unserer neuen Welt von morgen zusammenbauen. Manches, was wir erschaffen ist gut, manches hat unerwartete und unerwünschte Nebenwirkungen. Aber wir dürfen beim Spielen nicht vergessen, dass all dies nicht einfach so passiert: Wir sind es, die mit dieser neuen Art von Bausteinen Daten-Welten erschaffen und gestalten.

Wie wirken Algorithmen und woher beziehen sie die Roh-Daten?

Im ersten Kapitel „Die Kraft der Algorithmen“ erläutert Fry anhand verschiedener Konzepte, wie Algorithmen funktionieren und wirken: Priorisierung, Klassifikation, Assoziation, Filtern, Regel-Basierung und Machine-Learning. Auf genau diese Konzepte (und damit Basis-Bausteine) lassen sich alle Programme zurückführen, indem sie diese Bausteine in verschiedener Form kombinieren.

Im zweiten Kapitel mach Hannah Fry uns klar, dass der Rohstoff für die Algorithmen-Daten (also Baustein-Daten) auf ganz unterschiedliche Art und Weise gewonnen wird: 

  • Durch Unachtsamkeit oder Ahnungslosigkeit – wie bei der Nutzung von Sozialen Netzwerken wie Facebook, 
  • oder hinter unserem Rücken, wie bei vielen staatlichen Sammel-Konzepten 
  • oder durch Kombinatorik aus verschiedenen öffentlich zugänglichen und scheinbar unverfänglichen einzelnen Datenschnipseln, die sich mit den Baustein-Algorithmen zu grausamen Wahrheiten über uns zusammenschreiben lassen.

Algorithmen ziehen sich durch all unsere Lebensbereiche

Und dann arbeitet sie in fünf weiteren Kapiteln die Veränderung von Lebensräumen unserer Gesellschaft durch Algorithmen ab:

  • Rechtssystem
  • Medizin
  • Autos
  • Kriminalität
  • Kunst

In jedem Kapitel beschäftigt sie sich damit, wie Daten und Algorithmen diesen Bereich verändern. Sie findet Beispiele für positive Veränderungen und weitere Chancen in der Zukunft. Ebenso zeigt auf, wo Gefahren lauern oder wo und wie sich schon ganz konkret Situationen für Einzelne oder ganze Gruppen durch Algorithmen zum Schlechteren gewendet haben.

In Frys Beschreibungen wird schnell klar, dass auch ohne Algorithmen eine Menge schiefgelaufen ist: Menschliche Richter sind nicht per se besser, also gerechter als Algorithmen. Aber klar ist, dass Schwächen und Fehler von Algorithmen große Auswirkungen auf Individuen haben – etwa in unserem Rechtssystem oder in der Medizin.

So wie bei den ersten Zeilen eines Programmierers mit „Hello World“ stehen wir mit unseren Lego-Bausteinen ganz am Anfang.  Wir müssen lernen herauszufinden, welche Algorithmen und darauf basierenden digitalen Geschäftsmodelle gut für uns Menschen sind und von welchen Anwendungsfällen wir besser die Finger lassen. Das geht nur mit einer Offenheit gegenüber Neuem und dem Willen zur Veränderung.

Kann Kreativität auf Daten beruhen?

In den Bereichen des Rechtssystems, der Medizin, unserer Mobilität und Kriminalität geht es um elementare Konzepte für unsere Gesellschaft. Das fünfte von Fry angesprochene Thema, die Kunst, beschäftigt sich mit unserem Selbstverständnis als Mensch: Kann eine Maschine kreativ sein?

Kreativität lässt sich als Suche nach Ähnlichem und der Kombination von Bekanntem prima maschinell nachbilden: Aber wie können wir den Unterschied zwischen dieser algorithmischen Kreativität und tiefer menschlicher Kreativität und Schaffenskraft erfassen?

Egal wie unsere Antwort als Individuum heute lautet: Wir müssen diese Dinge in Zukunft klären – durch Suchen, Finden, Ausprobieren und vor allem durch den Diskurs mit Anderen.

Denn egal, was Algorithmen in Zukunft alles vermögen, tun und machen: wir sind diejenigen, die mit den Bausteinen spielen, gestalten, die Regeln für KI und BigData vorgeben und Verbote aussprechen. Genau das unterscheidet uns von den Algorithmen. Egal wie machtvoll sie zu sein scheinen, oder wie mächtig wir sie durch Geschäftsmodelle werden lassen.

Ein tolles Buch, das uns zeigt, wie unser Selbstverständnis im Umgang mit Daten und Algorithmen sein sollte!

Anmerkung: Die englische Ausgabe lässt sich gut lesen. Angesichts der von anderen Rezensenten angesprochenen holprigen Übersetzung bin ich froh über meine Wahl. 

Weitere Lese-Empfehlungen zu den Themenbereichen Digitale Transformation und Entrepreneurship gibt es hier auf meinem Blog oder direkt bei Amazon.

Hannah Fry
Hello World: How to be human in the age of the machine
Englische Taschenbuchausgabe Black Swan, 320 Seiten, 10,79 Euro
Englische eBook-Ausgabe 9,49 Euro

Hannah Fry
Hello World: Was Algorithmen können und wie sie unser Leben verändern
dtv Verlagsgesellschaft, 272 Seiten, 11,90 Euro 
eBook 9,49 Euro

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